„Ja, die sogenannte Allgemeine Geschichte – das ist doch nur die Erlernung einer ganzen Reihe von menschlichen Dummheiten und weiter nichts. Achtung habe ich nur vor der Mathematik und den Naturwissenschaften,“ sagte Koljä majestätisch, indem er flüchtig zu Aljoscha hinüberblickte: es war ja nur dessen Meinung, die er hier fürchtete.

Aljoscha jedoch schwieg die ganze Zeit über und war nach wie vor vollkommen ernst. Hätte er etwas dagegen gesagt, so wäre es dabei geblieben, er aber schwieg, und dies konnte sehr wohl aus Verachtung geschehen. Der Gedanke an diese Möglichkeit machte Koljä geradezu wild.

„Und dann überhaupt – die klassischen Sprachen, zum Beispiel. Das ist doch absolut nichts anderes als Blödsinn ... Sie scheinen wieder nicht mit mir übereinzustimmen, Karamasoff?“

„Nein,“ sagte Aljoscha mit zurückhaltendem Lächeln.

„Die klassischen Sprachen sind, wenn Sie meine ganze Meinung darüber wissen wollen, eine polizeiliche Maßregel, und das ist der einzige Zweck, zu dem sie eingeführt sind!“ Koljä geriet allmählich wieder in Hitze. „Sie sind eingeführt, weil sie langweilig sind und die Fähigkeiten abstumpfen. Es war langweilig, wie sollte man es nun noch langweiliger machen? Es war sinnlos, wie sollte man es nun noch sinnloser machen? Und da dachte man sich denn die klassischen Sprachen aus. Das ist meine Meinung über die klassischen Sprachen, und ich hoffe, daß ich sie nie ändern werde,“ schloß Koljä schroff.

Auf seinen Wangen zeichneten sich zwei rote Flecke ab.

„Das ist wahr,“ sagte plötzlich der kleine Ssmuroff, der aufmerksam zugehört hatte, mit heller und überzeugter Kinderstimme.

„Und selbst ist er der Erste im Lateinischen!“ rief plötzlich ein anderer Knabe laut.

„Ja, Papa, er sagt das so, aber selbst ist er im Lateinischen der Erste in der Klasse,“ sagte gleich darauf auch Iljuschetschka.

„Was ist denn dabei?“ Koljä fand es für nötig, sich zu rechtfertigen, obgleich ihm das Lob nicht unangenehm war. „Ich lerne Latein, weil man es muß, weil ich meiner Mutter versprochen habe, das Gymnasium zu absolvieren. Und meiner Meinung nach muß man das, was man einmal tut, dann auch gründlich tun. Im Herzen aber verachte ich tief den Klassizismus und diese ganze Gemeinheit ... Sind Sie nicht mit mir einverstanden, Karamasoff?“