Es war ihm inzwischen gelungen, in den richtigen Ton hineinzukommen, doch war er trotzdem etwas unruhig: Er fühlte, daß er sehr aufgeregt war und von der Gans z. B. schon gar zu lebhaft erzählt hatte. Aljoscha aber hatte während der ganzen Erzählung geschwiegen und war unerschütterlich ernst. Das nagte nun dem selbstgefälligen Knaben am Herzen. „Oder sollte er vielleicht deswegen schweigen,“ fragte er sich, „weil er mich verachtet und bei sich denkt, daß ich von ihm gelobt werden will? In dem Falle, wenn er es wagt, so etwas zu denken, werde ich ...“

„Ja, ich halte diese Frage für unbedingt müßig,“ sagte er nochmals und brach stolz ab.

„Ich weiß aber, wer Troja gegründet hat,“ sagte plötzlich ganz unerwartet ein kleiner Knabe, der bis dahin noch kein Wort gesprochen hatte, überhaupt schweigsam und ersichtlich schüchtern war. Er sah sehr nett aus und schien etwa elf Jahre alt zu sein. Er hieß Kartascheff.

Koljä blickte sich verwundert und wichtig nach dem Kleinen, der bei der Tür saß, um. Die Sache war nämlich die, daß die Frage, wer nun eigentlich Troja gegründet hatte, für alle Schüler zu einem interessanten Problem geworden war. Um die Namen der Gründer zu erfahren, mußte man im Ssmaragdoff nachlesen. Den aber besaß außer Koljä niemand. Nun hatte der kleine Kartascheff, während Koljä mit anderem beschäftigt gewesen war, flugs den Ssmaragdoff, der zwischen seinen Schulbüchern gelegen hatte, aufgeschlagen und zufällig gerade die Stelle gefunden, die von der Gründung Trojas handelte. Das war schon vor verhältnismäßig ziemlich langer Zeit geschehen, aber er hatte sich immer gescheut und geschämt, den anderen Jungen zu sagen, daß er es gleichfalls wußte, und teilweise fürchtete er sich auch, da daraus leicht etwas entstehen oder Koljä ihn in Verlegenheit bringen konnte. Nun aber hatte er plötzlich nicht an sich halten können und doch gesagt, was er schon lange hatte sagen wollen.

„Na, wer denn?“ fragte Koljä von oben herab, da er dem Kleinen am Gesicht ansah, daß jener es in der Tat wußte, und er bereitete sich natürlich sofort auf die Folgen vor. In die allgemeine Stimmung war plötzlich ein Mißton gekommen.

„Troja gründeten Teukros, Dardanos, Illys und Tros,“ sagte der Junge laut, langsam und deutlich, und kaum hatte er es ausgesprochen, als er auch schon errötete – und zwar so errötete, daß er einem leidtat, wenn man ihn ansah. Die Augen aller Knaben waren unverwandt auf ihn gerichtet, etwa eine Minute lang, und dann plötzlich wandten sich aller Blicke von ihm auf Koljä. Der blickte immer noch mit verächtlicher Kaltblütigkeit auf den Kleinen.

„Das heißt, wie haben sie denn gegründet?“ geruhte er endlich zu fragen. „Und was heißt das überhaupt, eine Stadt oder ein Reich gründen? Sind sie etwa hingekommen und haben sie dann jeder einen Ziegelstein hingelegt, wie?“

Man lachte. Der schuldbewußte Kleine wurde noch röter, purpurrot. Er schwieg und war dem Weinen nahe. Koljä aber erbarmte sich seiner nicht so schnell.

„Um über solche historische Ereignisse, wie die Gründung einer Nation, reden zu können, muß man sich zuerst darüber klar werden, was das eigentlich heißt,“ sagte er streng zur Belehrung. „Übrigens messe ich diesen Altweibergeschichten keinerlei Bedeutung bei, und überhaupt achte ich die Allgemeine Geschichte nicht sonderlich,“ fügte er nachlässig hinzu, diesmal wieder zu allen gewandt.

„Wie, die Allgemeine Geschichte?“ erkundigte sich der Hauptmann fast entsetzt.