„Aber wissen Sie auch, Karamasoff, Sie müssen zugeben, daß auch Sie sich jetzt ein wenig vor mir schämen ... Das sehe ich an Ihren Augen.“ Und Koljä lachte leise: es lag viel Schelmerei und fast eigenartiges Glück in diesem Lachen.
„Warum soll ich mich denn schämen?“
„Warum erröten Sie denn jetzt plötzlich, wenn man fragen darf?“
„Ja, daran sind Sie schuld, daß ich errötete!“ sagte Aljoscha lachend und wurde wirklich über und über rot. „Nun ja, ein wenig schäme ich mich, Gott weiß, weswegen, ich weiß es nicht ...“ stotterte er, sogar ein wenig verwirrt.
„Oh, wenn Sie wüßten, wie sehr ich Sie gerade jetzt liebe und schätze und gerade deshalb, weil Sie sich ‚weiß Gott warum‘ vor mir schämen! Weil auch Sie ganz so sind wie ich!“ rief Koljä in heller Begeisterung.
Seine Wangen glühten und seine Augen glänzten.
„Hören Sie, Koljä, Sie werden im Leben ein sehr unglücklicher Mensch sein,“ sagte plötzlich Aljoscha aus einem unbekannten Grunde.
„Ich weiß, ich weiß,“ bestätigte Koljä sofort. „Wie Sie doch alles voraus wissen!“
„Aber im ganzen werden Sie doch das Leben preisen.“
„Das ist’s ja! Hurra! Sie sind ja ein Prophet! Oh, wir werden uns noch nähertreten, Karamasoff. Wissen Sie, am meisten entzückt mich an Ihnen, daß Sie mit mir ganz wie mit einem Altersgenossen verkehren, wie mit einem Gleichstehenden. Das aber sind wir nicht, nein, das sind wir nicht: Sie stehen viel höher! Aber wir werden uns schon gut anfreunden. Wissen Sie, ich habe mir während des ganzen letzten Monats gesagt: ‚Entweder werden wir sofort Freunde auf ewig werden, oder wir werden gleich nach der ersten Begegnung als Feinde bis zum Grabe auseinandergehen!‘“