„Begreifst du was davon?“

„Nein,“ sagte Aljoscha. Er beobachtete interessiert seinen Bruder und hörte ihm aufmerksam zu.

„Ich auch nicht. Dunkel ist es und unklar, dafür aber klug. ‚Alle schreiben jetzt so,‘ sagt er, ‚das Milieu hat sich bereits herausgebildet ...‘ Das ist es ja, sie fürchten, daß die Kollegen den Stil nicht klug genug finden könnten. Auch Gedichte schreibt das Schwein ... Denk doch nur, er hat Frau Chochlakoffs Füßchen besungen, hahaha!“

„Ich weiß, ich habe davon gehört,“ sagte Aljoscha.

„Ja? Und auch das Gedicht?“

„Nein, das Gedicht selbst habe ich nicht gehört.“

„Ich habe es hier, wart, ich werde es dir vorlesen. Du weißt noch nicht alles, ich habe es dir nicht erzählt, das ist ja eine ganze Geschichte. Der Spitzbube! Denk dir, vor drei Wochen war’s, da läßt er sich plötzlich einfallen, mich zu foppen: ‚Da bist du nun wegen lumpiger Dreitausend perdu,‘ sagt er, ‚ich aber werde mir Hundertfünfzigtausend verschaffen, werde hier eine kleine Witwe heiraten und mir dann in Petersburg ein Haus kaufen, ein großes von Stein.‘ Und er erzählt mir, daß er der Chochlakowa den Hof macht, die aber, sagt er, die von Kindheit an keinen Verstand gehabt hat, hätte ihn mit vierzig Jahren vollends verloren. ‚Sie ist fabelhaft sentimental,‘ sagt er, ‚das wird mir aber zustatten kommen. Werde sie heiraten, nach Petersburg mitnehmen und dort eine Zeitung herausgeben.‘ Und dabei wässert ihm der Mund in so gemeiner Lüsternheit, – doch nicht nach der Chochlakowa, sondern nach den Hundertfünfzigtausend. Und täglich kam er her und beteuerte, es ginge famos; sie ergibt sich, sagt er, strahlt vor Freude. Und da wird er plötzlich vor die Tür gesetzt! Perchotin hat ihn aus dem Sattel gehoben! Das hat er großartig gemacht! Ich würde diese kleine Witwe am liebsten zehnmal kräftig dafür abküssen, daß sie ihn vor die Tür gesetzt hat! Er war gerade kurz vorher bei mir gewesen, um mir dieses Gedicht vorzulesen. ‚Zum erstenmal besudle ich meine Hände,‘ sagte er, ‚schreibe Gedichte – um sie zu bezaubern, das heißt also, zu einem nützlichen Zweck. Habe ich erst der Gans das Kapital abgenommen, so kann ich später damit großen sozialen Nutzen bringen.‘ Dieses Pack hat doch für jede Gemeinheit eine ‚soziale‘ Rechtfertigung! ‚Und doch habe ich,‘ sagt er, ‚besser als dein Puschkin gedichtet, denn ich habe es fertig gebracht, in einem närrischen Gedicht ein soziales Malheur auszudrücken.‘ Was er da von Puschkin sagt, das verstehe ich schließlich. Es ist ja wahr. Ein begabter Mensch, der dabei nur Weiberfüßchen besungen hat! Wie aber Rakitin auf sein Gedicht stolz war! Eine Eigenliebe haben die Kerls! So etwas Dünkelhaftes findet man nicht leicht. ‚Zur Heilung des kranken Füßchens meines Objekts‘ – das hat er sich als Überschrift ausgedacht! Nichts zu sagen, ein kühner Mann! Hör jetzt:

Es war einmal ein kleiner Fuß,

Der eines Tags erkrankte;

Die Ärzte kamen tagtäglich ins Haus,