„Du hast recht,“ sagte Aljoscha, „man muß das Urteil des Gerichts abwarten und dann entscheiden. Nach dem Gericht wirst du es selbst tun; dann wirst du einen neuen Menschen in dir finden, der für dich entscheiden wird.“
„Einen neuen Menschen oder einen Bernard, und der wird dann à la Bernard entscheiden. Denn ich selbst bin, wie es scheint, ein verächtlicher Bernard!“ sagte Mitjä mit bitterem Lächeln.
„Aber Mitjä, hast du denn gar keine Hoffnung mehr, dich morgen rechtfertigen zu können? Wie ist das nur möglich?“
Mitjä zuckte mit den Achseln und schüttelte verneinend den Kopf.
„Aljoscha, mein Liebling, es ist Zeit, daß du gehst!“ sagte er plötzlich eilig, als wollte er ihn schneller forthaben. „Der Aufseher hat schon auf dem Hof gerufen, er wird gleich herkommen. Es ist spät. Wir wollen doch die Ordnung nicht stören. Umarme mich rasch, küsse mich, segne mich, Liebling, segne mich, damit ich das Kreuz morgen tragen kann ...“
Sie umarmten sich und küßten einander.
„Iwan aber,“ sagte Mitjä plötzlich, „schlägt mir wohl vor, mir zur Flucht zu verhelfen, selbst aber glaubt er, daß ich den Vater erschlagen habe!“
Ein gequältes, spöttisches Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Hast du ihn gefragt, ob er es glaubt?“ fragte Aljoscha.
„Nein, ich habe ihn nicht danach gefragt. Ich wollte ihn fragen, aber ich konnte es nicht, die Kraft reichte dazu nicht aus. Doch das bleibt sich ja gleich, ich sehe es ja an den Augen. Nun, leb wohl!“