Noch einmal küßten sie sich eilig, und Aljoscha verließ bereits das Zimmer, als ihn Mitjä plötzlich wieder zurückrief.
„Stell dich vor mich hin, sieh mich an.“
Und er erfaßte ihn wieder mit beiden Händen an den Schultern. Sein Gesicht wurde unheimlich bleich, so daß es selbst in der matten Dunkelheit entsetzlich anzusehen war. Die Lippen verzerrten sich, und der Blick bohrte sich starr in Aljoschas Augen.
„Aljoscha, sage du mir die volle Wahrheit, sage wie Gott dem Herrn: Glaubst du, daß ich der Mörder bin oder glaubst du es nicht? Du, du, ob du es glaubst oder nicht glaubst? Die Wahrheit sage! – Lüge nicht!“ schrie er plötzlich laut in seiner Verzweiflung auf.
Aljoscha war es, als wankte er auf den Füßen unter dem Druck der Hände des Bruders, und über sein Herz, das fühlte er, glitt etwas Scharfes, Spitzes ...
„Was ... was tust du, laß gut sein, genug ...“ stammelte er wie geistesabwesend.
„Die Wahrheit, die Wahrheit! Lüge nicht!“
„Keine Sekunde lang ... habe ich geglaubt, daß du der Mörder wärest!“ stieß Aljoscha mit schwankender Stimme fast atemlos hervor, und er erhob die rechte Hand, als wolle er Gott zum Zeugen für seine Worte aufrufen.
Wie Seligkeit breitete es sich über Mitjäs bleiches Gesicht.
„Ich danke dir ...“ sagte er langsam, als wenn er nach einer Ohnmacht aufatmete. „Du hast mich von den Toten auferweckt ... Wirst du es mir glauben: – bis zu diesem Augenblick habe ich mich gefürchtet, dich zu fragen, dich, dich! – denk nur, Liebling, dich! ... Nun, geh jetzt, geh! Gestärkt hast du mich für morgen, Gott segne dich dafür! Nun, geh ... und liebe Iwan!“ rang es sich noch als letztes Wort aus Mitjä heraus.