„Darin täuscht sie sich natürlich, aber in einem hat sie recht: Du bist wirklich krank,“ sagte Aljoscha. „Ich habe soeben dein Gesicht bei ihr gesehen: Du siehst sehr krank aus, Iwan, und du bist es auch.“
Iwan ging weiter, ohne stehen zu bleiben. Aljoscha folgte ihm.
„Weißt du vielleicht, Alexei Fedorowitsch, wie das ist, wenn man verrückt wird?“ fragte nach einer Weile Iwan mit einer ganz anderen, leisen, gar nicht mehr gereizten Stimme, aus der plötzlich die treuherzigste Neugier hervorklang.
„Nein, das weiß ich nicht; ich nehme an, daß es sehr verschiedene Arten von Wahnsinn gibt.“
„Kann man aber auch an sich selbst beobachten, wie man verrückt wird?“
„Ich glaube, daß man sich selbst in dem Falle nicht mehr gut beobachten kann.“ Aljoscha wunderte sich.
Iwan schwieg eine Weile.
„Wenn du mit mir sprechen willst, so habe die Güte und ändere das Thema,“ sagte er plötzlich.
„Hier, um es nicht zu vergessen, ich habe diesen Brief für dich,“ sagte Aljoscha schüchtern, indem er den Brief Lisas aus der Tasche zog und ihn dem Bruder reichte. Sie näherten sich gerade einer Laterne. Iwan erkannte sofort die Handschrift.
„Ah, das ist von jenem Teufelchen!“ sagte er boshaft auflachend, und plötzlich, ohne das Kuvert aufzubrechen, zerriß er den ganzen Brief und warf die Stücke in den Wind. Die kleinen Papierstücke flatterten umher.