„Noch keine sechzehn Jahre, glaube ich, und schon bietet sie sich an!“ sagte er verächtlich und schritt weiter.
„Wieso bietet sie sich an, wie meinst du das?“ fragte Aljoscha erstaunt.
„Man weiß doch, wie verderbte Frauen sich anbieten.“
„Was fällt dir ein, Iwan, was redest du? Das ist doch ein Kind, du beleidigst ein Kind!“ verteidigte sie Aljoscha eifrig und traurig zugleich. „Sie ist krank, sogar sehr krank, sie ist vielleicht gleichfalls dem Wahnsinn nahe ... Ich konnte unmöglich dir den Brief nicht geben ... Ich, ich wollte von dir noch etwas Näheres hören ... um sie retten zu können.“
„Du wirst nichts von mir hören. Wenn sie noch ein Kind ist, so bin ich nicht ihre Amme. Schweig, Aljoscha. Sprich nicht mehr davon. An die denke ich überhaupt nicht.“
Sie schwiegen wieder.
„Jetzt wird sie die ganze Nacht zur Gottesmutter beten, damit diese sie erleuchte, wie sie morgen vor Gericht aussagen soll,“ sagte Iwan wieder ganz plötzlich und boshaft.
„Du ... du sprichst von Katerina Iwanowna?“
„Ja. Soll sie als Mitjenkas Retterin oder Verderberin erscheinen! Auf daß ihre Seele erleuchtet werde, – darum wird sie beten. Sie weiß selbst noch nicht, was sie tun soll; sie scheint noch nicht Zeit genug gehabt zu haben, um sich vorzubereiten. Auch sie hält mich für ihre Kinderfrau und will, daß ich ihr eiapopeia singe.“
„Katerina Iwanowna liebt dich, Bruder,“ sagte Aljoscha, den ein trauriges Gefühl ergriffen hatte.