„Möglich. Nur begehre ich sie nicht.“
„Sie leidet. Warum sagst du ihr dann ... zuweilen ... solche Worte, daß sie hoffen kann?“ Ein schüchterner Vorwurf lag in Aljoschas Stimme. „Ich weiß doch, daß du ihr Hoffnung gemacht hast ... verzeih, daß ich so spreche,“ fügte er ängstlich hinzu.
„Ich kann hierbei nicht so handeln, wie ich müßte: Kann nicht brechen und ihr offen alles sagen!“ sprach Iwan gereizt. „Ich muß abwarten, bis das Urteil über den Mörder gesprochen ist. Wenn ich jetzt mit ihr bräche, so würde sie aus Rache morgen vor Gericht dieses ... Scheusal seinem Schicksal überantworten, denn sie haßt ihn, und sie weiß es, daß sie ihn haßt. Hier ist doch alles Lüge, Lüge auf Lüge aufgebaut! Jetzt aber, das heißt, solange ich nicht mit ihr gebrochen habe, hofft sie immer noch und wird daher jenes Ungeheuer nicht verderben, da sie weiß, wie ich ihn herausziehen will. Wenn doch endlich dieses verdammte Urteil gesprochen wäre!“
Die Worte „Mörder“ und „Ungeheuer“ machten einen schmerzlichen Eindruck auf Aljoscha.
„Aber was hat denn Mitjä von ihr zu fürchten?“ fragte er, bemüht, zu verstehen, was Iwan meinte. „Was kann sie denn so besonders Verhängnisvolles aussagen, woraufhin er verurteilt werden könnte?“
„Das weißt du noch nicht. Sie hat ein Dokument in Händen, Mitjä hat es selbst geschrieben, das mathematisch klar beweist, daß er Fedor Pawlowitsch, unseren Vater, erschlagen hat.“
„Das ist unmöglich!“ rief Aljoscha aus.
„Wieso unmöglich? Ich habe es selbst gelesen.“
„Ein solches Dokument kann es unmöglich geben!“ wiederholte Aljoscha erregt im Eifer. „So etwas kann es nicht geben, denn nicht er ist der Mörder. Nicht er hat den Vater erschlagen, nicht er!“
Iwan Fedorowitsch blieb plötzlich stehen.