„Ich weiß es doch selbst, daß nicht ich es getan habe, redest du im Fieber?“ sprach schließlich Iwan, und er lächelte ein bleiches, verzerrtes Lächeln.
Er hatte sich mit den Blicken gleichsam festgesogen an den Bruder. Sie standen sich beide wieder bei einer Straßenlaterne gegenüber.
„Nein, Iwan, du hast dir selbst mehrmals gesagt, daß du der Mörder seiest.“
„Wann habe ich es gesagt? ... Ich war in Moskau ... Wann habe ich es gesagt?“ stotterte Iwan mit abirrendem Blick.
„Du hast es dir mehr als einmal gesagt, wenn du in diesen schrecklichen zwei Monaten allein warst,“ fuhr Aljoscha wieder leise und deutlich fort. Er sprach aber schon, als wenn er nicht mehr bei voller Besinnung wäre, als wenn es nicht sein Wille wäre, der ihn sprechen ließ, sondern, als gehorche er einem fremden Befehle, vielleicht fast gegen seinen Willen. „Du hast dich beschuldigt und hast dir gesagt, daß der Mörder kein anderer sein könne als du. Aber nicht du hast ihn erschlagen, da irrst du dich, nicht du bist der Mörder, hörst du mich, nicht du! Mich hat Gott gesandt, dir das zu sagen.“
Beide schwiegen sie. Lange dauerte dieses Schweigen. Sie standen und blickten sich noch immer in die Augen. Beide waren sie bleich. Plötzlich überlief Iwan ein Zittern, und er packte Aljoscha krampfhaft an der Schulter.
„Du bist bei mir gewesen!“ stieß er in wutknirschendem Geflüster hervor. „Du bist bei mir gewesen, nachts, als er zu mir kam ... Gestehe es ... Hast du ihn gesehen, hast du ihn gesehen?“
„Von wem redest du ... von Mitjä?“ fragte Aljoscha verwundert.
„Ach, nicht von ihm rede ich, zum Teufel mit diesem Scheusal!“ keuchte Iwan außer sich. „Weißt du denn, daß er zu mir kommt? Wie hast du das erfahren, sprich!“
„Welcher ‚er‘? Ich weiß nicht, von wem du sprichst,“ stotterte Aljoscha erschrocken.