„Dieweil ich fürchtete, daß Ihr nach Moskau fahren würdet, nach Tschermaschnjä aber war es doch alleweil näher.“

„Du lügst, du selbst hast mich noch gebeten, fortzufahren: ‚Fahrt doch,‘ sagtest du, ‚fahrt doch von der Sünde fort‘!“

„Dies habe ich damals einzig und allein von wegen meiner Freundschaft und herzlichen Ergebenheit gesagt, dieweil ich doch selbiges Unglück im Hause ahnte, alsomit geschah es denn aus Mitleid mit Euch. Nur hatte ich alleweil mit mir selber noch mehr Mitleid. Und so sagte ich denn: Fahrt fort von der Sünde – damit Ihr hinwiederum auf selbige Manier begreift, daß es im Hause sonst was geben wird und Ihr hierbliebet, um den Vater zu beschützen.“

„So hättest du es doch deutlich sagen sollen, Schafskopf!“ brauste Iwan Fedorowitsch plötzlich auf.

„Wie wäre es denn deutlicher noch möglich gewesen? Nur die Angst allein sprach in mir, und dann hättet Ihr auch darüber ungehalten sein können. Ich konnte wohl, wie sich von selbst versteht, befürchten, daß Dmitrij Fedorowitsch einen Skandal machen werde, um sich selbiges Geld, wenn nicht anders, so per Gewalt zu verschaffen, da sie doch jene Dreitausend für gerade so gut wie ihr eigenes Kapital hielten, aber wer konnte denn wissen, daß es mit solchem Mord und Totschlag endigen würde? Ich dachte alleweil, sie würden selbiges Geld, das beim Herrn unter der Matratze in einem versiegelten Kuvert lag, nur wegnehmen, sie aber haben nun noch obendrein erschlagen. Wo solltet denn auch Ihr das vorauswissen können, Herr?“

„Du sagst also, daß ich es nicht vorauswissen konnte,“ – Iwan Fedorowitsch überlegte, er strengte sich an, hinter den Sinn der Worte Ssmerdjäkoffs zu kommen – „wie hätte ich es dann aus deinen widersprechenden Andeutungen erraten sollen, und mich auf Grund derselben entschließen können, hierzubleiben? Was faselst du da?“

„Ihr hättet selbiges schon allein daraus erraten können, daß ich Euch riet, nach Tschermaschnjä, anstatt nach Moskau zu fahren.“

„Wieso hätte ich es daraus erraten können?“

„Ihr hättet es Euch sehr wohl schon allein aus selbigem Grunde sagen können, daß ich, wenn ich Euch von Moskau auf Tschermaschnjä ablenken wollte, es alsomit bedeutete, daß ich Eure Gegenwart hier möglichst in der Nähe wissen wollte, sintemal Moskau weit ist, Dmitrij Fedorowitsch dahingegen, wenn sie Euch immerhin in der Nähe wissen, nicht so sehr ermutigt sein würden. Und auch mich hättet Ihr im Fall von irgend etwas schneller verteidigen können, dieweil es von Tschermaschnjä näher ist. In selbigem Gedanken habe ich Euch dann auch auf Grigorij Wassiljewitschs Krankheit aufmerksam gemacht und desgleichen auch auf meine mannigfachen Befürchtungen von wegen der Fallsucht. Und dieweil ich Euch auch von selbigen Zeichen erzählte, mittels welcher man zum alten Herrn eindringen konnte, da sie daraufhin ohne weiteres aufgemacht hätten, und daß selbige Zeichen auch Dmitrij Fedorowitsch durch mich bekannt geworden waren, glaubte ich, daß Ihr dann selber alsomit erraten würdet, daß Dmitrij Fedorowitsch was anstellen könnten, und Ihr dann nicht etwa nur nach Tschermaschnjä, sondern überhaupt nicht verreisen würdet.“

„Der Kerl spricht ja auffallend logisch, wenn er auch seine Worte nur so kaut,“ dachte Iwan Fedorowitsch bei sich. „Von was für einer Zerrüttung der Vernunft spricht denn Herzenstube?“