Iwan Fedorowitsch zog den Mantel aus und warf ihn auf die andere Bank, ergriff mit etwas zitternden Händen einen Stuhl, schob ihn mit einem Ruck an den Tisch und setzte sich. Ssmerdjäkoff war es gelungen, sich bereits früher als Iwan wieder zu setzen.

„Vor allen Dingen – sind wir allein?“ fragte Iwan Fedorowitsch streng und heftig. „Kann man uns nicht im anderen Zimmer hören?“

„Niemand wird was hören. Habt ja selber gesehen, daß ein Flur zwischen ist.“

„Hör mal, mein Lieber: was war es, was du damals faseltest, als ich dich im Krankenhause verließ? Was kautest du da von –: wenn ich nicht aussagen würde, daß du ein Meister im Vortäuschen von epileptischen Anfällen wärst, so würdest auch du dem Untersuchungsrichter unser ganzes Gespräch, das wir am Vorabend beim Hoftor hatten, gar nicht mitteilen? Was meintest du mit diesem ‚unser ganzes Gespräch‘? Drohtest du mir etwa? Was hast du damit sagen wollen? Daß ich mich mit dir verbündet hätte oder verabredet, und dich etwa jetzt fürchten könnte?“

Iwan Fedorowitsch sprach es fast jähzornig; er gab dabei mit Absicht deutlich zu verstehen, daß er jeden Winkelzug verachtete sowie jedes vorsichtige Heranschleichen, vielmehr mit offenen Karten spielen wollte. In Ssmerdjäkoffs Augen blitzte es boshaft auf, und das linke kleine Äuglein zwinkerte wieder, als wollte es prompt zur Antwort geben: „Also offene Karten willst du? – schön, soll geschehen, so offen wie du nur willst.“

„Was ich dazumal mit selbigem meinte und aussprach, war, daß Ihr sehr wohl diesen Mord voraussaht und dennoch abreistet, alsomit Euren leiblichen Vater wohlweislich opfertet und Euch selber fortbegabt, damit die Menschen nicht was Schlechtes von Euren Gefühlen dächten, vielleicht aber auch noch von manchem übrigen. – Selbiges war es, was ich dazumal der Obrigkeit nicht zu sagen Euch versprach.“

Ssmerdjäkoff sprach es zwar langsam und hatte sich augenscheinlich ganz in der Gewalt, doch in seiner Stimme lag jetzt bereits etwas Festes und Sicheres, Boshaftes und frech Herausforderndes. Geradezu unverschämt fixierte er Iwan Fedorowitsch, so daß es diesem einen Moment vor den Augen flimmerte.

„Wie? Was? Bist du verrückt geworden oder noch bei Sinnen?“

„Vollkommen alleweil bei Sinnen.“

„Aber wie sollte ich denn das wissen, daß er ermordet werden würde?“ schrie plötzlich Iwan Fedorowitsch ihn an, indem er heftig mit der Faust auf den Tisch schlug. „Und was heißt das: ‚vielleicht aber auch noch von manchem übrigen‘? – sprich, Schurke!“