„Wie denn nicht? Sonst wär’s doch ganz und gar nicht angegangen, daß Ihr, als Sohn Eures Vaters, mich nicht auf der Stelle auf selbige hiesige Polizeiwacht gebracht oder mich durchgepeitscht hättet ... oder wenigstens ohne mir ein paar Maulschellen zu langen. Ihr aber gingt noch, ganz umgekehrt, ohne auch nur eine Spur von Wut, sofort hin und tatet nach meinem dummen Wort, akkurat, was ich gesagt hatte, und fuhrt auch richtig fort, was doch ganz ungereimt war, wenn Ihr selbigen Verdacht auf mich hattet, und es alsomit Eure Pflicht war, hierzubleiben und das Leben Eures Vaters hinfort zu beschützen ... Wie sollte ich nun da nicht selbiges denken?“
Iwan saß mit finsterer Stirn da, die Fäuste wie im Krampf auf die Knie gestützt.
„Ja, schade, daß ich dir keine Ohrfeigen gab!“ Er lächelte bitter. „Dich auf die Polizei zu bringen, ging leider nicht an: es hätte mir niemand geglaubt, und ich hätte doch nichts beweisen können. Was aber die Ohrfeigen betrifft ... ach, schade, daß ich damals nicht darauf verfallen bin! Wenn sie auch verboten sind, so hätte ich doch mit Vergnügen deine Fratze zu Brei geschlagen.“
Ssmerdjäkoff betrachtete ihn fast mit Hochgenuß.
„Im sonstigen gewöhnlichen Leben,“ hub er plötzlich in demselben selbstzufrieden-doktrinären Tone an, in dem er schon einmal, am Tisch Fedor Pawlowitschs stehend, mit Grigorij Wassiljewitsch über den Glauben gestritten und ihn zum besten gehabt hatte, „im sonstigen gewöhnlichen Leben sind Maulschellen heutigentags ganz und gar durchs Gesetz verboten, und so hat alle Welt aufgehört, zu schlagen, was aber die Ausnahmefälle des Lebens angeht, so kann man alleweil sagen, daß man nicht nur bei uns, sondern in der ganzen Welt, und selbst wenn man die französische Republik nimmt, überall ganz genau so fortfährt, alleweil zu schinden, wie zu Adams und Evas Zeiten, und selbiges wird auch nie auf Erden aufhören, Ihr aber habt dazumal selbst nicht einmal in so einem Ausnahmefall zu schlagen gewagt.“
„Wozu lernst du denn jetzt französische Vokabeln?“ fragte Iwan, indem er mit einem Kopfnicken auf das Heft wies.
„Warum sollte ich sie denn nicht lernen, um auf selbige Manier meine Bildung zu erhöhen, wenn ich denke, daß auch ich in jenen glücklichen Ländern Europas vielleicht mal sein werde?“
„Höre jetzt, Teufel, was ich dir sage!“ wandte sich plötzlich Iwan Fedorowitsch mit drohendem Blick und zitternd vor Wut an ihn. „Ich fürchte deine Anschuldigungen nicht! Sage ihnen was du willst über mich. Und wenn ich dich nicht hier auf der Stelle totgeschlagen habe, so geschah das einzig darum, weil ich dich für den Mörder halte und dich noch vor die Schranken bringen will. Ich werde dich schon entlarven!“
„Meiner Meinung nach aber tut Ihr besser, wenn Ihr schweigt. Sintemal, was könnt Ihr denn gegen mich in meiner Unschuld aussagen, und wer wird Euch was glauben? Und wenn Ihr anfangt, werdet Ihr nur das erreichen, daß auch ich dann alles sage; denn wie sollte ich mich nicht selber verteidigen?“
„Du glaubst wohl, daß ich dich jetzt fürchte?“