„Aha – a! Das ist mir mal ein Eingeständnis! Aber ich bin gutmütig, ich werde dir auch hierbei helfen. Also höre: Ich habe dich gefangen, nicht du mich! Ich habe dir absichtlich deine eigene Anekdote erzählt, die du so gut wie vergessen hattest, damit du jeglichen Glauben an mich verlörest.“

„Du lügst! Der Zweck deines Erscheinens ist, mich zu überzeugen ... daß du bist.“

„Stimmt. Aber das Schwanken, das Zweifeln, die Unruhe, der Kampf des Glaubens mit dem Unglauben, – das ist doch für einen gewissenhaften Menschen, wie du zum Beispiel, mitunter eine solche Qual, daß er sich lieber erhängt. Gerade weil ich weiß, daß du ein Körnchen Glauben an mich hast, tröpfelte ich dir jetzt eine gehörige Portion Unglauben ein, indem ich dir diese Anekdote erzählte. Ich lenke dich jetzt zwischen Glauben und Unglauben abwechselnd hin und her, und verfolge dabei natürlich meinen besonderen Zweck. Wie gesagt: eine neue Methode. Denn sobald du endgültig jeden Glauben an mich verloren haben wirst, wirst du sofort anfangen mir ins Gesicht zu versichern, daß ich kein Traum sei, sondern wirklich existiere. Ich kenne dich doch. Und dann werde ich eben mein Ziel erreichen. Mein Ziel aber ist ein edles. Ich werde nur ein winziges Körnchen Glauben in dich werfen, und daraus wird eine Eiche erwachsen, – und noch dazu solch eine Eiche, daß du, mit diesem Baume in der Brust, dich noch zu den Einsiedlern und den makellosen Jungfrauen wirst gesellen wollen, denn im geheimen willst du das, sogar sehr. Wirst noch Heuschrecken essen und dich in die Wüste schleppen!“

„Ah! So mühst du Folterknecht dich um mein Seelenheil?“

„Man muß doch wenigstens irgend einmal auch ein gutes Werk tun. Aber ärgern tust du dich – hü! Das tust du wahrlich, wie ich sehe.“

„Narr! ... Doch sag’: hast du schon einmal auch solche versucht, die nur von Heuschrecken leben, siebzehn Jahre lang in der Wüste beten, mit Moos bewachsen?“

„Mein Täubchen, das ist ja das einzige, was ich bis jetzt getan habe! Die ganze Erde und alle Welten vergißt du, sag ich dir, wenn du dich einmal an einen solchen geheftet hast! Ein solcher Brillant ist denn doch gar zu kostbar. Eine einzige solche Seele ist mitunter ein ganzes Sternbild wert! – wir haben doch unsere eigene Arithmetik. So ein Sieg ist dann auch etwas teuer! Stehen doch einige von ihnen in ihrer Entwicklung, bei Gott, nicht unter dir, wenn du mir das auch nicht glauben wirst. Solche Abgründe von Glauben und Unglauben können sie in ein und demselben Augenblick erfassen, daß, Hand aufs Herz, man zuweilen meint, es fehlte nur noch ein Härchen, und der Mensch fliegt hinab – ‚kopfüber mit den Beinen in die Höh‘, wie der Schauspieler Gorbunoff sagt.“

„Nun, und? Bist mit langer Nase abgezogen?“

„Mon ami,“ bemerkte der Gast belehrend, „mit einer langen Nase abzuziehen, ist mitunter immerhin besser, als ganz ohne Nase, wie noch vor kurzem ein kranker Marquis, den wahrscheinlich ein Spezialist behandelt hatte, in der Beichte seinem Geistesvater, einem Jesuiten, gestand. Ich war zugegen – ganz allerliebst, sag ich dir! ‚Pater,‘ ruft er, ‚gebt mir meine Nase wieder!‘ und schlägt sich vor die Brust. – ‚Mein Sohn,‘ antwortet der alte Fuchs salbungsvoll, ‚alles geschieht nach den unerforschlichen Ratschlüssen der Vorsehung, und großes Leid zieht zuweilen einen großen, wenn auch uns Menschen zuerst unsichtbaren Vorteil nach sich. Wenn ein strenges Geschick Sie Ihrer Nase beraubt hat, so ergibt sich daraus für Sie wenigstens der Vorteil, daß Ihnen hinfort niemand mehr wird sagen können, Sie seien mit einer langen Nase abgezogen.‘ – ‚Heiliger Pater, das ist kein Trost!‘ ruft der verzweifelte Marquis, ‚ich würde im Gegenteil überglücklich sein, mein ganzes Leben lang jeden Tag mit einer langen Nase abzuziehen, wenn sie nur an der richtigen Stelle säße.‘ – ‚Mein Sohn,‘ sagt der Pater seufzend, ‚man darf nicht alle Erdengüter zugleich verlangen, das wäre schon Murren wider die Vorsehung, die Sie selbst hierbei nicht vergessen hat: denn wenn Sie so zum Herrn emporschreien, wie Sie es soeben getan haben, daß Sie mit Freuden bereit wären, Ihr ganzes Leben lang mit langer Nase abzuziehen, so hat die Vorsehung mittelbar auch diesen Ihren Wunsch schon im voraus erfüllt: denn indem Sie Ihre Nase verloren, zogen Sie doch gewissermaßen mit einer langen Nase ab ...‘“

„Pfui, wie dumm!“