„Sind Sie sicher,“ drang Fetjukowitsch immer mehr in ihn ein, „daß Sie in dieser Minute, als Sie die Tür zum Garten offen sahen, wach waren? Oder schliefen Sie vielleicht?“

„Ich stand auf den Beinen.“

„Das ist noch kein Beweis dafür, daß Sie nicht geschlafen haben.“ (Leises Gelächter im Saal.) „Hätten Sie zum Beispiel in dieser Minute sagen können, wenn jemand Sie gefragt hätte, nun, zum Beispiel, in welchem Jahr wir leben?“

„Das weiß ich nicht.“

„Im wievielten Jahre nach Christi Geburt leben wir denn jetzt, wissen Sie das wirklich nicht?“

Grigorij stand da mit verdutztem Ausdruck im Gesicht und sah seinen Quälgeist starr an. Sonderbar, er schien wirklich nicht zu wissen, in welchem Jahr er lebte.

„Vielleicht wissen Sie aber, wieviel Finger Sie an den Händen haben?“

„Ich bin hier kein freier Mensch,“ sagte Grigorij plötzlich laut und deutlich – „wenn die Obrigkeit beliebt, sich über mich lustig zu machen, so muß ich es dulden.“

Fetjukowitsch war etwas verdutzt, und der Vorsitzende mischte sich sofort ein und erinnerte den Verteidiger mit ein paar ernsten Bemerkungen daran, daß er sachlichere Fragen zu stellen habe. Fetjukowitsch hörte ihm aufmerksam zu, verbeugte sich dann würdevoll und erklärte, mit seinen Fragen zu Ende zu sein. Indessen blieb im Publikum wie auch bei den Geschworenen doch ein kleiner Zweifel an den Aussagen eines Menschen bestehen, bei dem die Möglichkeit nicht ausgeschlossen zu sein schien, daß er in einem gewissen Zustande während einer Kur die Paradiesestore offen sah, und der außerdem nicht zu sagen wußte, in welchem Jahre nach Christi Geburt er lebte; so hatte der Verteidiger immerhin sein Ziel erreicht. Doch bevor Grigorij entlassen wurde, ereignete sich noch eine kleine Episode. Der Vorsitzende wandte sich an den Angeklagten mit der Frage, ob er nicht zu den gegebenen Aussagen etwas zu bemerken habe?

„Ausgenommen die Behauptung von der Tür, hat er in allem die Wahrheit gesprochen,“ sagte Mitjä mit lauter Stimme. „Ich danke ihm, daß er mir die Läuse ausgekämmt hat, und daß er mir die Schläge verziehen hat, dafür danke ich ihm gleichfalls. Der Alte ist sein Leben lang ehrlich und dem Vater treu ergeben gewesen ... wie siebenhundert Pudel.“