„Und du willst sie wirklich heiraten?“
„Sobald sie will, ... sofort – will sie nicht! So bleibt es denn, wie es ist; werde Hofknecht bei ihr werden. Du ... du, Aljoscha ...“ rief er, blieb vor ihm stehen, ergriff ihn an den Schultern und schüttelte ihn plötzlich aus aller Kraft, „– weißt du auch, du unschuldiger Knabe, daß das Fieberwahn ist, sinnloser Fieberwahn? Jawohl, hier ist Tragödie! So höre denn, Alexei, ich kann wohl ein niedriger Mensch sein, mit niedrigen, verderblichen Leidenschaften, doch ein Dieb, ein Taschendieb, ein kleiner, schmutziger Taschendieb kann Dmitrij Karamasoff nie und nimmer sein! Nun, und so wisse denn jetzt, daß ich ein Dieb bin, ein gemeiner Taschendieb! Gerade kurz vordem, als ich zu Gruschenka ging, um sie durchzuprügeln, ruft mich am selben Morgen Katerina Iwanowna zu sich und bittet mich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, damit es vorläufig niemand erfahre (warum es niemand erfahren darf, weiß ich nicht, augenscheinlich aber war’s wohl so nötig), und bittet mich, in die Gouvernementsstadt zu fahren, und von dort aus durch die Post dreitausend Rubel nach Moskau an Agafja Iwanowna zu schicken, und zwar darum aus der Gouvernementsstadt, damit man es hier nicht erführe. Mit diesen Dreitausend ging ich zu Gruschenka, und mit eben diesem Gelde fuhren wir nach Mokroje. Später tat ich so, als ob ich tatsächlich in die Gouvernementsstadt gefahren wäre, schickte ihr aber keine Postquittung zu, ließ sagen, ich hätte das Geld abgeschickt und würde bald selbst mit der Quittung kommen, habe sie aber bis heute noch nicht hingebracht – ‚hab’s vergessen!‘ Nun aber – nun gehst du heute hin und sagst ihr: ‚Er hat mich beauftragt, Ihnen seinen Abschiedsgruß zu überbringen.‘ Sie wird dich wohl fragen: ‚Und das Geld?‘ Da könntest du ihr denn sagen: ‚Er ist ein niedriger Wollüstling, ein Mensch mit unbezähmbaren Leidenschaften. Er hat damals Ihr Geld nicht abgeschickt, sondern durchgebracht, denn er konnte sich als niedriges Tier nicht zügeln.‘ Und du könntest noch hinzufügen: ‚Doch ist er deswegen kein Dieb, hier sind Ihre Dreitausend, er schickt Ihnen das Geld zurück, übersenden Sie es selbst Agafja Iwanowna, mich aber beauftragte er Ihnen seinen Abschiedsgruß zu überbringen.‘ ‚Ja, aber,‘ wird sie dich fragen: ‚Und wo ist das Geld?‘“
„Mitjä, du bist unglücklich, das ist wahr! Aber doch nicht so sehr, wie du denkst, töte dich nicht durch Verzweiflung, töte dich nicht!“
„Ach, du glaubst, ich würde mich erschießen, wenn ich nicht irgendwoher die Dreitausend bekomme, um sie ihr zurückzugeben? Das ist es ja, daß ich mich nicht erschießen werde! Ich habe jetzt nicht die Kraft dazu, später vielleicht einmal, jetzt aber werde ich zu Gruschenka gehen ... Bin sowieso verloren!“
„Und was willst du bei ihr?“
„Werde ihr Gemahl sein, wenn sie mich dessen für würdig hält – wenn aber ihre Liebhaber kommen, werde ich ins andere Zimmer gehen. Werde die schmutzigen Galoschen ihrer Freunde reinigen, den Ssamowar anblasen, ihr Laufbursche sein ...“
„Katerina Iwanowna wird alles verstehen,“ sagte Aljoscha plötzlich sehr ernst, „sie wird die ganze Tiefe dieser Qual verstehen und alles verzeihen. Sie hat einen klaren Verstand und ein großes Herz, sie wird begreifen, daß man unglücklicher als du nicht sein kann.“
„Nein, sie wird nicht verzeihen,“ meinte Mitjä lächelnd. „Hier, Freund, handelt es sich um etwas, das kein Weib verzeihen kann. Weißt du aber, was jetzt das Beste wäre?“
„Was?“
„Ihr die Dreitausend zurückzugeben.“