„Aber woher sie nehmen? Hör, Mitjä, ich habe zweitausend, Iwan wird auch noch tausend geben, da hast du die drei, nimm sie und gib sie ihr.“

„Haha, wann werden denn diese Dreitausend hier ankommen? Du bist ja noch nicht einmal mündig, und doch mußt du unbedingt, un–be–dingt heute noch zu ihr gehen und meinen Gruß bestellen, einerlei, ob mit oder ohne Geld, denn länger kann ich das nicht so hinziehen – wie die Dinge jetzt liegen, ist es ganz unmöglich. Morgen wär’s schon zu spät, viel zu spät. Alexei, geh zum Vater!“

„Zum Vater?“

„Ja, bevor du zu ihr gehst, geh noch zum Vater. Er hat Dreitausend bereit liegen, erbitt sie von ihm.“

„Aber er wird sie doch nicht geben, Mitjä.“

„Fehlte noch, daß er sie gibt, ich weiß, daß er nichts geben wird. Weißt du, Alexei, was Verzweiflung ist?“

„Ich weiß es.“

„Hör: Juridisch schuldet er mir nichts mehr. Ich habe schon alles von ihm bekommen, alles, ich weiß es. Aber moralisch schuldet er mir noch, das ist doch wahr, nicht? Denn nur dank der Achtundzwanzigtausend meiner Mutter hat er die Hunderttausend verdienen können. Mag er mir jetzt nur Dreitausend von den ganzen Achtundzwanzigtausend geben, nur drei, und er würde meine Seele aus der Hölle erlösen, es wird ihm für viele Sünden angerechnet werden! Ich aber würde, wenn er noch diese Dreitausend geben wollte, nie mehr etwas von ihm erbitten, ich gebe dir mein Wort darauf, – er würde nichts mehr von mir hören. Ich gebe ihm zum letztenmal Gelegenheit, sich als Vater zu erweisen. Sage ihm, daß ihm Gott selbst noch diese letzte Gelegenheit schickt.“

„Aber er wird doch ganz bestimmt nichts geben, Mitjä.“

„Ich weiß es, daß er nichts geben wird, weiß es selbst ganz genau. Und jetzt erst recht nicht. Ich weiß sogar noch viel mehr: Erst jetzt, erst in diesen Tagen, vielleicht erst gestern, hat er es im Ernst erfahren (unterstreich das im Ernst), daß Gruschenka vielleicht wirklich nicht scherzt und mich vielleicht wirklich heiraten will. Er kennt diesen Charakter, kennt diese Katze. Nun, sage doch selbst, soll er mir jetzt zum Überfluß auch noch Geld geben, er, der doch selbst ihretwegen schon den Verstand verloren hat? Aber auch das ist noch nicht alles, ich weiß noch mehr: Ich weiß, daß bei ihm seit fünf Tagen dreitausend Rubel bereit liegen, in Hundertrubelscheine ausgewechselt, und in einem großen Kuvert unter fünf Siegeln, das noch mit einem roten Bändchen kreuzweis umbunden ist. Siehst du, wie genau ich alles weiß! Und auf dem Kuvert steht geschrieben: ‚Meinem Engel Gruschenka, wenn sie zu mir kommen will,‘ das hat er selbst draufgekratzt heimlich in der Stille, und niemand weiß, daß bei ihm dieses Geld bereit liegt, außer dem Diener Ssmerdjäkoff, an dessen Ehrlichkeit der Alte mindestens ebenso fest glaubt wie an seine eigene Existenz. Und jetzt erwartet er Gruschenka schon seit drei oder vier Tagen, hofft, daß sie nach den Dreitausend kommen wird, hat er ihr es doch sagen lassen, und sie hat darauf geantwortet: ‚Vielleicht, ja vielleicht werde ich kommen.‘ Aber wenn sie jetzt zum Alten kommt, wie kann ich sie dann heiraten? Begreifst du jetzt, warum ich hier heimlich sitze, und wem ich auflauere?“