Zu Hause bestellte Peredonoff sein Frühstück ab und sagte, daß er erst spät zu Mittag kommen würde, er hätte einen wichtigen Gang vor.

„Man wirft mir Steine in den Weg, ich muß sie forträumen,“ sagte er böse und dachte dabei an die vermeintlichen Intrigen seiner Feinde.

Er zog seinen nur wenig benutzten Frack an, er war ihm zu eng geworden und drückte: denn sein Körper hatte an Umfang zugenommen, während der Frack ein wenig eingeschrumpft war. Daß er keinen Orden im Knopfloch hatte, ärgerte ihn. Die andern wurden dekoriert, — sogar Falastoff von der Volksschule, — nur ihn hatte man übergangen. Das war alles die Mache des Direktors: nicht ein einziges Mal hatte er ihn vorgeschlagen. Freilich in der Rangliste rückte er auf, das konnte der Direktor nicht verhindern, aber was hat man von einem Rang, den kein Mensch sieht. Wenn die neue Uniform eingeführt sein wird, erst dann würde man es sehen können. Es war doch gut, daß die Achselstücke daran den Rang bezeichnen sollten, aber nicht das Verdienst. Das ist von Wichtigkeit: Achselstücke wie bei einem General mit einem Stern darauf. Jedermann auf der Straße wird sehen können, daß er Staatsrat ist.

„Ich muß mir bald die neue Uniform bestellen,“ dachte Peredonoff.

Erst unterwegs dachte er darüber nach, wen er zuerst besuchen solle.

Am wichtigsten schien ihm für seine Lage der Landrat und der Staatsanwalt zu sein. Mit ihnen hätte er beginnen sollen. Oder sollte er zum Adelsmarschall. Aber gerade diese drei als erste aufzusuchen, schien ihm sehr gewagt. Der Adelsmarschall Weriga — ein General, der binnen kurzem Statthalter werden wollte und der Landrat und Staatsanwalt — diese unangenehmen Repräsentanten von Polizei und Gericht.

„Zuerst will ich die kleineren Beamten aufsuchen“, dachte Peredonoff, „und mich in ihre Art finden, schon dort werde ich sehen können, was man von mir hält, wie man über mich redet.“ So beschloß er denn, den Bürgermeister als ersten zu besuchen. Wiewohl jener nur Kaufmann war und bloß eine Kreisschule besucht hatte, so kam er doch überall hin und alle kamen zu ihm; außerdem genoß er in der Stadt ein großes Ansehen und hatte in anderen Städten und sogar in der Residenz recht vornehme Bekannte.

Entschlossen richtete Peredonoff seine Schritte zum Hause des Bürgermeisters.

Das Wetter war trübe. Die Blätter fielen müde und kraftlos von den Bäumen. Peredonoff war etwas aufgeregt.

Im Hause des Bürgermeisters roch es nach frischgewachsten Dielen und noch, kaum bemerkbar, nach etwas anderem, etwas Süßem, Eßbarem. Alles im Haus war still und traurig. Die Kinder, ein Gymnasiast und ein Backfisch („Ich halte ihnen eine Gouvernante,“ pflegte der Vater zu sagen) verhielten sich ruhig in ihren Zimmern. Dort war es gemütlich, hell und fröhlich, die Fenster gingen in den Garten, die Möbel waren sehr bequem, außerdem die verschiedensten Spiele im Zimmer und draußen.