„Einen anderen Beruf,“ wandte sich Skutschaeff wieder an Peredonoff. „Beispielsweise der geistliche Stand. Wenn ich es mir recht überlege, so müßten Sie einen ganz vortrefflichen, ernstdenkenden Priester abgeben. Dazu könnte ich Ihnen leicht verhelfen. Ich habe nämlich gute Bekannte in der höheren Geistlichkeit.“

Skutschaeff nannte die Namen einiger Bischöfe und kirchlicher Würdenträger.

„Nein, ich will nicht Priester werden,“ antwortete Peredonoff, „mir ist der Weihrauch zuwider. Mir wird übel davon und der Kopf schmerzt.“

„In diesem Fall könnte man zur Polizeikarriere raten. Es ist lohnend,“ riet Skutschaeff, „werden Sie doch Landkommissar. Darf man erfahren, welchen Rang Sie bekleiden?“

„Ich bin Staatsrat!“ sagte Peredonoff mit Würde.

„Was nicht gar!“ rief Skutschaeff aus, „sagen Sie doch bitte, so weit kann es ein Lehrer bringen! Und nur weil er die Kinder erzieht? Ja, die Wissenschaft hat was zu bedeuten. Uebrigens gibt es ja viele, welche der Wissenschaft feind sind, und doch, es ist unmöglich, ohne Bildung vorwärtszukommen. Zwar habe ich nur eine Kreisschule besucht, aber ich bestehe darauf, daß mein Sohn in die Universität kommt. Es ist eine bekannte Tatsache, wie schwer die Jungen im Gymnasium vorwärtskommen; mit der Peitsche wollen sie getrieben sein, nachher geht es ganz von selber. Wissen Sie, ich prügle ihn niemals, ist er aber träge oder hat sonst irgend etwas auf dem Kerbholz, so fasse ich ihn an den Schultern und führe ihn ans Fenster, — von dort sieht man die Birken in unserem Garten. Dann frage ich nur: siehst du, was dort wächst? Ich sehe, Papachen, — sagt er — ich will’s nicht wieder tun. Und in der Tat, das hilft, der Junge nimmt sich zusammen, als hätte er wirklich eine Tracht Prügel bekommen. O diese Kinder, diese Kinder!“ seufzte Skutschaeff und schloß damit seine Rede.

Peredonoff saß bei Skutschaeff gute zwei Stunden. Nach Erörterung der geschäftlichen Angelegenheiten wurde ein gründliches Frühstück eingenommen.

Skutschaeff machte die Honneurs mit nachdrücklicher Würde, als handle es sich um etwas sehr Wichtiges und das gehörte zu seinem Wesen. Ueberall suchte er schlaue Nebengedanken anzubringen. Der Glühwein wurde in großen Kaffeetassen serviert, als wäre es Kaffee und der Hausherr nannte ihn einen kleinen Mokka. Die Schnapsgläser waren ohne Fuß, er hatte ihn fortschleifen lassen, damit man die Gläser nicht hinstellen konnte.

„Das bedeutet: bei mir muß alles auf den Zug geleert werden,“ erklärte er.

Noch ein Gast kam: der Kaufmann Tischkoff, ein kleines, graues Männchen. Er war sehr munter und launig, trug einen langen Rock und merkwürdige Stiefel, die großen Flaschen nicht unähnlich sahen. Er trank sehr viel Schnaps, wußte auf jeden Unsinn gleich einen Reim und schien sehr zufrieden mit sich zu sein.