„Das heißt, was meinen Sie eigentlich?“ fragte Skutschaeff vorsichtig.

„Eben dieses,“ erklärte Peredonoff, „wenn zum Beispiel gegen mich Anzeige erstattet wird, daß ich nicht zur Kirche gehe oder so was, und man sich gegebenenfalls bei Ihnen danach erkundigt.“

„Das läßt sich machen,“ sagte der Bürgermeister, „da können Sie sich unbedingt auf mich verlassen. Gegebenenfalls werde ich für Sie einstehen, und warum sollte man für einen Ehrenmann nicht einstehen. Wir können Ihnen zum Beispiel — wenn es nötig sein sollte — eine Ehrenadresse von der Stadtverwaltung übermitteln. Das geht alles. Oder wir verschaffen Ihnen den Titel eines Ehrenbürgers beispielsweise, — warum denn nicht, wenn es Ihnen nützt; alles das können wir.“

„Ich kann mich also auf Sie verlassen,“ sagte Peredonoff dumpf, als habe er auf eine peinliche Frage zu antworten, „es ist nämlich wegen des Direktors, der schadet mir, wo er nur kann.“

„Was Sie nicht sagen!“ ereiferte sich Skutschaeff und wackelte mitleidig mit dem Kopf, „das ist ja nicht möglich, da hat man Sie bei ihm verdächtigt. Es scheint jedoch, daß Nikolai Wassiljewitsch ein äußerst gewissenhafter Herr ist; ohne Grund wird er keinem was zuleide tun. Das sehe ich doch an meinem Sohne. Er ist ein strenger, aber gewissenhafter Mann. Er wird nie ein Auge zudrücken und bevorzugt niemanden; mit einem Wort: er ist sehr gewissenhaft. Es ist garnicht anders möglich, man hat Sie bei ihm angeschwärzt. Was haben Sie denn für Differenzen?“

„Wir sind in vielen Dingen anderer Meinung,“ erklärte Peredonoff, „außerdem beneiden mich die Kollegen im Gymnasium. Alle wollen im Dienst aufrücken. Nun hat die Fürstin Woltschanskaja versprochen, gerade mir eine Inspektorstelle zu verschaffen. Und darum all der Haß und Neid.“

„So, so,“ sagte Skutschaeff zurückhaltend, „übrigens ist es nicht gut, bei trockener Kehle zu plaudern. Wollen wir ein wenig frühstücken und ein Schnäpschen dazu trinken?“

Skutschaeff drückte den Knopf der elektrischen Glocke.

„Famose Einrichtung das,“ sagte er zu Peredonoff, „Sie sollten einen andern Beruf wählen.“

Indessen erschien das Dienstmädchen, eine grobknöchige, massive Person. Skutschaeff bestellte bei ihr einen Imbiß und starken Kaffee. Sie lächelte verlegen und ging. Ihre Schritte schienen merkwürdig leicht im Verhältnis zu ihrer Körperfülle.