„Und dann ist da noch eine andere Geschichte,“ fuhr Peredonoff fort, „es wird mir verdacht, daß ich mit Warwara zusammenlebe, sie sei gar nicht verwandt mit mir, sondern einfach meine Geliebte. Bei Gott, sie ist meine Kusine, allerdings im vierten Grade; die darf man heiraten und ich werde sie heiraten.“

„So, so, unbedingt,“ sagte Skutschaeff, „die Hochzeit macht allem Klatsch ein Ende.“

„Früher konnte ich nicht,“ sagte Peredonoff, „es war ganz unmöglich; sonst hätte ich mich schon trauen lassen. Sicherlich.“

Skutschaeff machte ein nachdenkliches Gesicht, klopfte mit seinem weißen, dicken Finger auf die dunkle Tischdecke und sagte:

„Ich glaube Ihnen. Wenn es sich so verhält, wie Sie sagen, ist es ein ganz ander Ding. Jetzt glaube ich Ihnen. Denn auch ich muß gestehen, es berührte so merkwürdig, wie Sie da mit Ihrer Freundin, um mich so auszudrücken, zusammen hausten. Dann muß man noch in Betracht ziehen, daß die Kinder ein schlaues Volk sind; alles Schlechte begreifen sie sofort und nehmen es an. Das Gute muß ihnen beigebracht werden, während das Schlechte ihnen von selbst anfliegt. Und darum sage ich, berührte mich Ihr Verhältnis merkwürdig. Und doch andererseits was geht es mich an! Ein jeder kehre vor seiner Tür. Ich weiß es wohl zu schätzen, daß Sie sich zu mir herbemüht haben, denn ich bin ein schlichter Mann und habe nur eine Kreisschule besucht. Immerhin genießt man einiges Ansehen in der Gesellschaft, bin ich doch heuer zum drittenmal Bürgermeister geworden und mein Urteil wird nicht gering geschätzt in den besseren Kreisen unserer Stadt.“

Skutschaeff redete darauf los und seine Gedanken verwirrten sich. Es schien ihm, als wolle sein eigener Redeschwall kein Ende nehmen. Da brach er kurz ab und dachte betrübt:

„Es ist so, als füllte man eine leere Flasche aus einem leeren Faß. Es ist eine Plage mit diesen gelehrten Herren,“ dachte er, „absolut nicht zu begreifen, was sie eigentlich wollen. Was in den Büchern steht, ist ihnen sonnenklar, stecken sie aber mal die Nase an die Luft, so wissen sie nicht ein und aus und bringen noch andere Leute in die Tinte.“

Mißvergnügt ob dieses Nichtverstehens stierte er Peredonoff an; seine sonst lebhaften Augen blickten trübe und sein Körper schien wie von einer Last zusammengedrückt. Er war nicht mehr der rührige, energische Mann von früher, sondern ein blöde gewordener Greis.

Auch Peredonoff war still geworden, als hätten ihn die Worte des Hausherrn verwirrt, dann zwinkerte er mit den Augen, was merkwürdig trübselig aussah, und meinte:

„Sie sind Bürgermeister, also können Sie doch sagen, daß das alles erlogen ist.“