„Ueber mich werden in der Stadt unglaubliche und einfach erlogene Klatschgeschichten verbreitet,“ sagte Peredonoff mürrisch.
„Fremde Mäuler kann man nicht stopfen,“ sagte der Hausherr, „und dann, was haben die alten Basen in unsern Gefilden anderes zu tun, als ihre Zunge zu rühren.“
„Es wird erzählt, daß ich nicht in die Kirche gehe und das ist gelogen,“ fuhr Peredonoff fort, „denn ich gehe regelmäßig zur Kirche. Zum Eliasfest mußte ich zu Hause bleiben, weil ich Bauchschmerzen hatte.“
„Es stimmt,“ bestätigte der Hausherr, „dafür kann ich stehen, habe ich Sie doch selber des öfteren im Gottesdienst gesehen. Im übrigen bin ich nicht oft in Ihrer Kirche. Ich fahre meist ins Kloster. Das ist so eine Familiensitte bei uns.“
„Auch sonst klatscht man allerlei,“ sagte Peredonoff, „z. B. soll ich meinen Schülern unanständige Geschichten erzählen. Das ist Lüge. Es kommt ja vor, daß man in der Stunde mal einen Scherz macht, um den Unterricht zu beleben. Ihr eigner Sohn ist ja mein Schüler. Hat er Ihnen etwa derartiges erzählt?“
„Es stimmt,“ sagte Skutschaeff, „sowas hat er mir nie erzählt. Die Bengel sind zwar sehr schlau, — was ihnen nicht paßt, erzählen sie auch nicht. Freilich mein Sohn, steckt noch ganz in den Kinderschuhen, aus purer Dummheit hätte er was erzählt, aber etwas Derartiges habe ich nie von ihm gehört.“
„Nun sehen Sie, in den älteren Klassen wissen sie sowieso schon alles,“ sagte Peredonoff, „aber selbst dort nehme ich kein unflätiges Wort in den Mund.“
„Das versteht sich,“ antwortete Skutschaeff, „das Gymnasium ist kein Jahrmarkt.“
„Bei uns sind die Leute aber so,“ klagte Peredonoff, „was nie gewesen ist, verbreiten sie, als sei es wirklich geschehen. Aus diesem Grunde bin ich zu Ihnen gekommen, — Sie sind der Bürgermeister.“
Skutschaeff fühlte sich sehr geschmeichelt, daß man sich an ihn wandte. Er begriff nicht recht, warum ihm das alles erzählt wurde und was er dabei tun konnte, tat aber aus politischen Gründen so, als sei ihm alles vollständig klar.