Warwara kehrte bald zurück. Peredonoff machte sich noch mit den Kleiderfetzen zu schaffen. Sie dachte, er sei betrunken und schimpfte ihn. Peredonoff hörte lange zu, endlich sagte er:
„Was bellst du, Bestie! Du versteckst vielleicht einen Teufel in deiner Tasche, und ich muß wissen, was hier vorgeht.“
Warwara schäumte. Peredonoff war mit dieser Wirkung zufrieden; er suchte eilig nach seiner Mütze und ging ins Gasthaus Billard spielen. Warwara lief ihm ins Vorhaus nach und während Peredonoff seinen Mantel anzog, schrie sie:
„Du selber trägst einen Teufel in deiner Tasche! Ich habe überhaupt keine Teufel. Woher sollte ich ihn nehmen; etwa aus Holland unter Nachnahme verschreiben!“
Der recht jugendliche Beamte Tscherepin — just derselbe, von dem die Werschina erzählt hatte, unter welch merkwürdigen Begleiterscheinungen er durch die Fenster ihres Hauses gelauert hatte, — machte der Werschina den Hof, seit sie Witwe geworden war. Sie war nicht abgeneigt, ein zweites Mal zu heiraten, doch erschien ihr Tscherepin zu unbedeutend. Tscherepin war infolgedessen sehr aufgebracht. Er ging mit Freuden auf Wolodins Vorschlag ein die Pforte am Hause der Werschina mit Teer zu beschmieren.
Er war einverstanden, aber hinterher kamen die Bedenken. Wie, wenn man ihn ertappte! Das wäre peinlich, er gehörte doch immerhin zum Beamtenstande. Er beschloß, andere Personen mit dieser Angelegenheit zu betrauen. So kam es, daß er zwei Halbwüchslinge zweifelhaften Rufes mit je 25 Kopeken bestach und bei gutem Erfolg ihnen eine Gratifikation von je 15 Kopeken zusicherte; — in einer dunklen Nacht war die Sache geschehen.
Hätte jemand im Hause der Werschina nach Mitternacht ein Fenster geöffnet, so hätte er hören können, wie Leute barfuß über das Pflaster liefen, wie sie ganz leise flüsterten — und dann ein merkwürdig weiches Geräusch, als würde der Zaun einer Reinigung unterzogen; dann ein leises Klirren, dieselben Füße laufen eilig davon, immer schneller, immer schneller, in der Ferne ein unterdrücktes Lachen und lautes Hundegebell.
Aber niemand hatte ein Fenster geöffnet. Und am Morgen ... Die Pforte, der Gartenzaun, die Umfriedung des Hofes, alles war mit gelblichbraunem Pech besudelt. An der Pforte standen, ebenfalls mit Pech geschrieben, unanständige Worte. Alle Vorübergehenden staunten und lachten; die Neuigkeit verbreitete sich schnell, und viele Neugierige strömten herbei.
Die Werschina ging erregt im Garten auf und ab, rauchte, lächelte noch schiefer als sonst und brummte böse. Martha kam garnicht zum Vorschein, blieb im Hause und weinte. Marie, die Magd, war bemüht, das Pech abzuwaschen und zankte mit den neugierigen, spottenden Leuten, die gekommen waren das seltsame Schauspiel zu betrachten.
Noch am selben Tage hatte Tscherepin Wolodin die Namen der Täter genannt. Wolodin hatte es sofort Peredonoff weitererzählt. Sie beide kannten die Jungen, die schon wegen ihrer Streiche berüchtigt waren.