„Was für ein Skandal?“ fragte Chripatsch mit trocknem Spott und ging im Schreibzimmer auf und ab. „Das irritiert mich, obgleich ich, offen gestanden, nicht an die Möglichkeit eines Skandals in unserem Gymnasium glaube.“

„Sie wissen zum Beispiel nicht, wen Sie alles neu aufgenommen haben,“ sagte Peredonoff so schadenfroh, daß Chripatsch stehen blieb und ihn aufmerksam betrachtete.

„Die Neuaufgenommenen kenne ich alle,“ sagte er trocken. „Diejenigen, welche in die erste Klasse aufgenommen wurden, sind von keinem andern Gymnasium relegiert worden und der einzige Schüler, der in die fünfte Klasse kam, hat so vorzügliche Zeugnisse und Empfehlungen mitgebracht, daß eine gegenteilige Ansicht von vornherein ausgeschlossen erscheint.“

„Wohl, man hätte ihn bloß nicht zu uns, sondern in eine andere Anstalt geben sollen,“ sagte Peredonoff böse und scheinbar widerwillig.

„Ich bitte um eine Erklärung, Ardalljon Borisowitsch,“ sagte Chripatsch. „Ich hoffe, daß Sie damit nicht sagen wollen, daß Pjilnikoff in eine Korrektionsanstalt für minderjährige Verbrecher gehört.“

„Nein; man sollte vielmehr dies Geschöpf in ein Pensionat stecken, wo die alten Sprachen nicht gelehrt werden,“ sagte Peredonoff zornig und seine Augen funkelten böse.

Chripatsch steckte die Hände in die Taschen seines Hausrockes und blickte in grenzenlosem Erstaunen auf Peredonoff.

„Was für ein Pensionat?“ fragte er. „Wissen Sie denn nicht, welche Institute man so nennt? Und wenn Sie es wissen, wie dürfen Sie es wagen, eine so unziemliche Zusammenstellung vorzunehmen!“

Chripatsch war ganz rot geworden und seine Stimme klang noch trockner und härter als gewöhnlich. Sonst pflegten diese Anzeichen eines nahenden Zornesausbruches Peredonoff einzuschüchtern. Heute machte er sich nichts daraus.

„Sie glauben immer noch, daß es ein Knabe ist,“ sagte er und zwinkerte spöttisch mit den Augen, „es ist aber kein Knabe, sondern ein Mädchen, noch dazu was für eins.“