„Schon gut; ich will sie mir schneiden lassen,“ erklärte Sascha, „aber warum sind Sie so entsetzlich streng? Ich habe ja noch ganz kurze Haare, kaum einen halben Zoll lang, und sogar der Inspektor hat mir noch nichts darüber gesagt.“

„Ich liebe es, wenn junge Leute ihre Haare kurz tragen; merk dir das,“ sagte Ludmilla wichtig und drohte mit dem Finger; „ich bin nicht dein Inspektor, und mir muß gehorcht werden.“

Von diesem Tage an kam Ludmilla oft zur Kokowkina, um Sascha zu sehen. Besonders in der ersten Zeit bemühte sie sich, nur dann zu kommen, wenn die Kokowkina nicht zu Hause war. Manchmal wußte sie es besonders schlau einzurichten — und lockte die alte Frau von Hause fort.

Einmal sagte ihr Darja:

„Wie bist du doch feige! Bist bange vor einer alten Frau. Geh doch hin, wenn sie zu Hause ist und nimm ihn mit zu einem Spaziergang.“

Ludmilla merkte sich den Rat, — und ging nun hin, wann es ihr paßte. War die Kokowkina zu Hause, so plauderte sie ein wenig mit ihr und ging dann mit Sascha spazieren, — in solchen Fällen pflegte sie ihn jedoch nur für kurze Zeit in Anspruch zu nehmen.

Ludmilla und Sascha wurden bald gute Freunde, — allein ihre Freundschaft war unruhiger, wenn auch zärtlicher Natur. Ohne sich dessen bewußt zu werden, weckte Ludmilla in Sascha frühreifes und unklares Verlangen und Begehren.

Es kam oft vor, daß Sascha Ludmillas Hände küßte, — ihre schmalen, schönen Hände, die von einer zarten, elastischen Haut umspannt waren, durch deren blaßrosa Gewirke weitverzweigte blaue Aederchen schimmerten. Und dann höher hinauf. Es war so leicht ihren graziösen, schlanken Arm zu küssen, man brauchte ja nur die breiten Aermel bis zum Ellenbogen hinaufzustreifen.

Mitunter erzählte Sascha der Kokowkina nicht, wenn Ludmilla dagewesen war. Er log zwar nicht, — aber er verschwieg es. Und wie hätte er auch lügen sollen, — das Dienstmädchen hätte plaudern können. Es wurde ihm nicht leicht, von Ludmillas Besuchen zu schweigen: ihr helles Lachen klang immer in seinen Ohren. Er wollte von ihr sprechen. Und doch, — es war so unbequem.

Auch mit den andern Schwestern wurde Sascha bald gut Freund. Er küßte ihnen allen die Hand und rief sie sogar bei ihren Kosenamen: Daschenka, Millachen, Vallichen.