„Bin ich denn eine unehrliche Person,“ sagte Ludmilla fröhlich, „ich werde dich nicht betrügen, küß nur zu! — unbedenklich.“
Sascha beugte sich über ihre Hand und küßte sie eifrig; gleichmäßig bedeckte er ihre ganze Handfläche mit Küssen, wobei er seine Lippen weit offen hielt, und es war ihm angenehm, sich einmal sattküssen zu dürfen. Aufmerksam zählte Ludmilla die Küsse. Beim zehnten sagte sie:
„Es ist gewiß unbequem im Stehen zu küssen; du muß dich bücken.“
„Dann will ich es mir bequemer machen,“ sagte er.
Er kniete nieder und fuhr ebenso eifrig in seiner Beschäftigung fort.
Sascha liebte zu naschen. Es hatte ihm sehr gefallen, daß Ludmilla ihm was mitgebracht hatte. Dafür liebte er sie noch inniger.
Ludmilla hatte Sascha mit sinnerregendem, süßem Odeur parfumiert. Dieser Duft setzte ihn in Erstaunen. Er war so eigen, aufregend, dunkel und doch hell, wie ein goldiges, frühes, sündiges Morgenrot hinter einer fahlen Dämmerung. Sascha sagte:
„Der Duft ist so merkwürdig!“
„Gieß dir mal auf die Hand davon,“ riet Ludmilla.
Sie reichte ihm ein häßliches, vierkantiges, grobgeschliffenes Fläschchen. Sascha sah sich die Farbe an, — es war eine grell-gelbe, lebhafte Flüssigkeit. Eine grobe, häßliche Etikette mit französischer Aufschrift, aus der Fabrik von Puiver. Sascha nahm den flachen Glasstöpsel, zog ihn heraus und roch. Dann tat er so wie er es bei Ludmilla gesehen hatte, — er legte die Handfläche fest auf die Oeffnung des Fläschchens, kehrte es geschwind um und stellte es dann wieder mit dem Boden nach unten beiseite; dann verrieb er die wenigen Tropfen der Flüssigkeit auf der Handfläche und roch daran, — der Spiritus war bald verflogen, nur der reine Duft war geblieben. Ludmilla blickte auf ihn in gespannter, erregter Erwartung. Sascha sagte unsicher: