Eine dieser Gestalten war besonders auffallend und glich den andern nur wenig. Sie versprach nichts, blickte vorwurfsvoll, und ihre Lippen bewegten sich, als stießen sie lautlose Drohungen aus; es schien, daß, wenn sie ein Wort aussprechen würde, etwas Schreckliches geschehen müßte. Martha erriet, daß diese Gestalt das Gewissen war. Diese merkwürdige, unheimliche Besucherin war ganz in Schwarz gekleidet, hatte schwarze Augen, schwarzes Haar, — und nun begann sie zu sprechen, — schnell, abgerissen, deutlich. Sie wurde der Werschina immer ähnlicher. Martha gab sich einen Ruck, antwortete irgend etwas auf die an sie gerichtete Frage, antwortete noch ganz im Halbschlaf — und wieder umfingen sie Träume.

War es nun das Gewissen oder die Werschina, die ihr gegenüber saß und schnell, deutlich, aber doch unverständlich erzählte und an etwas merkwürdig Duftendem rauchte, — dieses entschlossene, ruhige Wesen, das zu erwarten schien, daß alles nach ihrem Willen geschähe? Martha versuchte, ihr gerade in die Augen zu blicken, konnte es aber nicht, — und jene lächelte eigentümlich, murmelte, und ihre Augen liefen hin und her und schienen entfernte, unbekannte Dinge zu suchen, vor denen Martha Angst hatte.

Eine laute Unterhaltung weckte sie.

In der Laube stand Peredonoff und begrüßte sich laut mit der Werschina. Martha blickte erschrocken auf. Ihr Herz klopfte, die Augen wollten nicht recht aufgehen, und ihre Gedanken verwirrten sich. Wo war das Gewissen geblieben? Oder war es nicht da? Hatte es überhaupt nicht da zu sein?

„Sie haben sozusagen geschlummert,“ sagte ihr Peredonoff, „Sie haben aus vollen Nüstern geschnarcht. Sie sind eine Schnarre.“

Martha verstand diesen Kalauer nicht, lächelte aber, denn sie hatte an dem Lächeln der Werschina gemerkt, daß von etwas gesprochen wurde, was komisch sein sollte.

„Man müßte Sie Lotte nennen und nicht Martha,“ fuhr Peredonoff fort.

„Warum denn?“ fragte Martha.

„Weil Sie so ‚laut‘ schnarchen.“

Peredonoff setzte sich auf die Bank neben Martha und sagte: