„Nein.“

Darja schloß das Fenster sofort, denn die Schwestern lachten sehr laut und konnten garnicht mehr aufhören. Dann liefen sie aus dem Salon ins Speisezimmer, um von Peredonoff nicht gehört zu werden.

Man verstand in diesem fröhlichen Kreise, die trübste Stimmung in Lachen und Scherzen ausklingen zu lassen, und so manche Angelegenheit wurde einfach durch einen Scherz gelöst.

Peredonoff stand draußen und wartete. Er war traurig, und ein unbestimmtes Angstgefühl bedrückte ihn. Er dachte daran, fortzugehen, aber auch dazu konnte er sich nicht entschließen. Irgendwo in der Ferne hörte man Musik: das war wohl die Tochter des Adelsmarschalls, die Klavier spielte. Leise und wiegend zitterten die Töne durch die dunkle, stille Abendluft; sie stimmten traurig und ließen die Gedanken traumhaft werden.

Peredonoffs Grübeleien hatten sich zuerst ins Erotische verloren. Er stellte sich die Rutiloffschen Mädchen in den wollüstigsten Lagen vor. Aber je länger er warten mußte, desto mehr fühlte er sich enttäuscht, — warum ließ man ihn überhaupt warten! Und die Musik, die nur ganz wenig an sein grobes, halberstorbenes Gemüt gerührt hatte, verlor für ihn allen Reiz.

Und ringsum war es Nacht geworden, still und doch voll Flüstern und Rauschen. Peredonoff stand innerhalb des Lichtkreises der Lampe, die im Salon brannte, darum erschien ihm alles noch dunkler. In zwei Streifen fiel das Licht auf den Hof und wurde breiter und breiter zum Nachbarzaune hin, dahinter konnte man dunkle Bretterwände sehen. Im Hintergrunde des Hofes warfen die Bäume des Rutiloffschen Gartens unheimliche Schatten und flüsterten. Lange Zeit hindurch hörte man irgendwo in der Nähe auf der Straße langsame, schwere Schritte. Peredonoff fürchtete sich: während er da wartete, hätte ihn jemand überfallen und ausrauben, vielleicht sogar ermorden können. Er drückte sich scheu an die Wand und wartete im Schatten, um nicht gesehen zu werden.

Mit einmal tauchten in den Lichtstreifen im Hofe lange Schatten auf, man hörte Türen gehen, und im Flur wurden Stimmen laut.

Sie kommen, dachte er, und sachte regten sich lüsterne Gedanken über die schönen Schwestern in seinem Hirn, — tierische Ausgeburten einer spärlichen Phantasie.

Die Schwestern warteten auf dem Flur.

Rutiloff ging zur Pforte und hielt Ausschau, ob niemand in der Nähe wäre. Es war nichts zu sehen und nichts zu hören.