„Warum hast du dich an die Warwara gekettet?“ sagte Rutiloff. „Glaubst du etwa, es wird dir gut gehen, wenn du durch ihre Vermittlung eine Stellung bekommst? Sie will dich begaunern.“
Peredonoff verstand das nicht.
Sie hat ihren eigenen Vorteil im Auge — dachte er, — sie wird es doch besser haben, wenn sie mit einem höheren Beamten verheiratet ist und mehr Geld bekommt. Mit andren Worten: sie ist ihm zu Dank verpflichtet, nicht er ihr. Und in jedem Fall ist es mit ihr bequemer zu leben, als sonst mit irgend einer Person.
Peredonoff hatte sich an Warwara gewöhnt. Sie erschien ihm begehrenswert, vielleicht aus dem einfachen Grunde, weil es ihm zum Bedürfnis geworden war, sie zu quälen. Eine ähnliche Frau hätte er nicht einmal auf Bestellung bekommen.
Es war spät geworden. In Peredonoffs Wohnung war noch Licht, die hellen Fenster stachen grell von der dunklen Straße ab.
Am Teetisch saßen Gäste: die Gruschina — Warwaras alltäglicher Gast —, Wolodin, die Prepolowenskaja, ihr Mann Konstantin Petrowitsch, ein stattlicher Vierziger; er war sehr schweigsam, bleich und hatte schwarze Haare. Warwara hatte sich schön gemacht — sie trug ein weißes Kleid. Man trank Tee und plauderte. Wie gewöhnlich, wenn Peredonoff lange ausblieb, fühlte sich Warwara beunruhigt. Wolodin hatte fröhlich meckernd berichtet, Peredonoff wäre zusammen mit Rutiloff gegangen. Ein Grund mehr um Warwaras Unruhe zu steigern.
Endlich erschien Peredonoff und Rutiloff. Sie wurden mit Gelächter und dummen, zotigen Scherzen empfangen.
„Wo ist der Schnaps?“ herrschte Peredonoff Warwara an. Sie sprang auf, lächelte schuldbewußt und brachte eilig den Schnaps in einer grobgeschliffenen Karaffe.
„Prost“, brummte Peredonoff.
„Warte doch, die Magd bringt den Imbiß gleich,“ sagte Warwara, „he, Faultier, etwas flinker,“ rief sie in die Küche.