„Merkwürdiger Mensch; glaubst du denn, daß sie ohne Mitgift sind! Also — ist es abgemacht — ja? Hör — ich werde laufen und alles einrichten. Nur eins, merke wohl: keinem ein Sterbenswörtchen von der Sache! — hörst du — keinem einzigen!“
Er schüttelte Peredonoff die Hand und eilte davon. Peredonoff blickte ihm schweigend nach. Er dachte an die Rutiloffschen Mädchen: so lustig waren sie, so komisch. Ein unkeuscher Gedanke wurde zu einem gemeinen Lächeln auf seinen Lippen, — aber nur für einen Augenblick, dann verschwand es wieder. Eine dunkle Unruhe erfaßte ihn.
Was nur die Fürstin sagen wird, dachte er. Die da haben die Groschen, aber keine Protektion, — heirate ich Warwara, so erhalte ich den Inspektorposten, später wird man mich zum Direktor ernennen. —
Er blickte dem eifrig davoneilenden Rutiloff nach und dachte schadenfroh: Mag er nur laufen! Und dieser Gedanke gab ihm ein welkes und schattenhaftes Vergnügen. Es wurde ihm langweilig, allein zu sein, er drückte den Hut in die Stirn, runzelte die blonden Augenbrauen und ging schnell nach Hause durch öde, ungepflasterte Straßen, auf denen weißblumiges, kriechendes Mastkraut, Kresse und in Schmutz getretenes Gras wucherten.
Jemand rief ihn schnell und leise.
„Ardalljon Borisowitsch, kommen Sie zu uns.“
Peredonoff blickte aus düstern Augen auf und sah böse über das Gitter. Hinter einem Zaun im Garten stand Natalja Afanasjewna Werschina, eine kleine, dürre, dunkelfarbige Person, ganz in Schwarz gekleidet und schwarz waren auch ihre Augen und ihre Brauen. Sie rauchte eine Zigarette aus einem kleinen dunkelfarbigen Weichselrohr und lächelte so leichthin, als wüßte sie um Angelegenheiten, von denen man nicht spricht, über die man aber lächelt. Weniger mit Worten, als mit leichten, schnellen Bewegungen rief sie Peredonoff in ihren Garten; sie öffnete das Pförtchen, trat zur Seite, lächelte bittend, fast vertrauensvoll und bedeutete mit den Händen: Tritt doch ein, was stehst du da.
Und Peredonoff trat ein: er fügte sich ihren magischen, lautlosen Bewegungen. Dann blieb er sofort auf dem Kieswege stehen, auf dem trocknes Reisig umherlag, — und sah nach der Uhr.
„Es ist Frühstückszeit,“ brummte er. Die Uhr gehörte ihm schon lange, aber wie immer in Gegenwart anderer, blickte er voll Wohlgefallen auf den großen, goldenen Doppeldeckel. Es war zwanzig Minuten vor zwölf. Peredonoff entschloß sich, kurze Zeit zu bleiben. Verdrießlich ging er auf den Gartenwegen hinter der Werschina her, vorüber an kahlen Johannisbeersträuchern, an Himbeerbüschen und Stachelbeerstauden. Reifes Obst und späte Blumen ließen den Garten ganz bunt erscheinen. Da waren verschiedene Fruchtbäume, Sträucher und Laub: niedrige weitverzweigte Apfelstämme, rundblättrige Birnbäume, Linden, Kirschen mit ihren glatten, glänzenden Blättern, Pflaumen und Je-länger-je-lieber. In den Hollunderbüschen leuchteten rote Beeren. Am Zaune wucherte dichtgesätes, sibirisches Geranium: ganz kleine blaßrosa Blüten mit purpurfarbenem Geäder. Silberdisteln reckten aus den Büschen ihre dunkelroten, stachligen Köpfchen. Ganz hinten stand ein kleines, graues Holzhaus, ein Einfamilienhaus, mit einem breit in den Garten vorgebauten Flur. Es sah lieb und wohnlich aus. Hinter dem Hause konnte man ein Stückchen vom Gemüsegarten sehen. Da schaukelten vertrocknete Mohnkapseln im Winde, und große, gelblichweiße Maßliebchen; halbwelke Kronen gelber Sonnenblumen nickten leise. Mitten unter Küchenkräutern streckten sich weiße Schierlingsdolden und bleicher, purpurfarbener Storchschnabel. Da blühte blaßgelber Hahnenfuß und niedriger Löwenzahn.
„Waren Sie im Vespergottesdienst,“ fragte die Werschina.