„Ja,“ antwortete Peredonoff ärgerlich.

„Eben kam auch Martha zurück,“ erzählte die Werschina, „sie geht oft in unsere Kirche. Das kommt mir so komisch vor: um wessentwillen gehen Sie eigentlich in unsere Kirche, Martha? fragte ich. Sie wurde rot und schwieg. Kommen Sie, wollen wir uns in die Laube setzen,“ sagte sie schnell und ohne jeden Uebergang.

Im Schatten eines breitastigen Ahornbaumes stand eine ganz alte, graue Laube, — drei Stufen führten hinauf, — es war nur eine bemooste Diele, ein niedriges Geländer und sechs plumpe, geschnitzte Säulen, die das sechsseitig abfallende Dach stützten.

In der Laube saß Martha, noch im Sonntagskleide. Es war hell, mit Bändern verziert und stand ihr nicht. Kurze Aermel ließen ihre eckigen, roten Ellenbogen und die großen, starken Hände frei. Martha war übrigens nicht häßlich. Ihre Sommersprossen verunzierten sie nicht. Sie galt sogar für recht hübsch, besonders unter den Polen, ihren Landsleuten, und Polen gab es nicht wenige in der Stadt.

Martha drehte Zigaretten für die Werschina. Ungeduldig wartete sie darauf, daß Peredonoff sie ansehen würde, und wie er dann entzückt sein würde. Dieser Wunsch war in einer Miene unruhiger Liebenswürdigkeit auf ihrem gutmütigen Gesichte zu lesen. Das hatte seinen einfachen Grund darin, daß Martha in Peredonoff verliebt war. Die Werschina wollte sie an den Mann bringen, denn Marthas Familie war groß. Schon vor einigen Monaten, bald nach dem Begräbnis des altersschwachen Mannes der Werschina, war Martha zu ihr gezogen. Sie wollte sich der Werschina dankbar erweisen für alle erwiesene Freundlichkeit, auch für all das, was für ihren Bruder getan wurde. Er war Gymnasiast und lebte ebenfalls als Gast bei der Werschina.

Die Werschina und Peredonoff kamen in die Laube. Peredonoff grüßte verdrießlich und setzte sich; er suchte sich einen Platz aus, der durch eine der Säulen Schutz vor dem Winde bot, er wollte seine Ohren vor dem Zugwinde schützen. Er blickte auf Marthas gelbe Schuhe, die mit rosa Ponpons verziert waren und dachte dabei, daß man ihn zum Heiraten einfangen wolle. Das dachte er aber immer, wenn er junge Damen sah, die zu ihm liebenswürdig waren. An Martha sah er nur Nachteiliges, — viele Sommersprossen, große Hände, dazu noch die grobe Haut. Er wußte, daß ihr Vater, ein kleiner polnischer Edelmann, sechs Werst vor der Stadt ein Gesinde in Pacht hatte; kleine Einkünfte und viele Kinder; Martha hatte das Progymnasium absolviert, der Sohn besuchte noch das Gymnasium und die übrigen Kinder waren noch jünger.

„Kann ich Ihnen Bier anbieten?“ fragte die Werschina.

Auf dem Tische standen Gläser, zwei Flaschen Bier, Grieszucker in einer Blechdose und daneben lag ein vom Bier benetztes Löffelchen aus Melchiormetall.

„Werde trinken,“ sagte kurz angebunden Peredonoff. Die Werschina blickte auf Martha. Martha füllte ein Glas, rückte es zu Peredonoff und dabei spielte auf ihrem Gesicht ein merkwürdiges Lächeln, halb erschrocken, halb freudig. Die Werschina sagte rasch — so, als hätte sie die Worte ausgestreut:

„Tun Sie Zucker ins Bier?“