Sie war sichtlich erstaunt über den unerwarteten Besuch, doch empfing sie ihre Gäste immerhin liebenswürdig. Gäste wollen unterhalten sein und Nadeschda Wassiljewna glaubte, daß ein Lehrer der russischen Sprache am liebsten über Pädagogik, über die bevorstehende Schulreform, Kindererziehung, Literatur, Symbolismus, russisches Zeitungswesen reden würde. Sie berührte gesprächsweise alle diese Fragen, erhielt aber so merkwürdige Antworten, daß es ihr erstaunlich klar wurde, wie vollständig gleichgültig ihren Gästen all diese Dinge waren. Sie erkannte, daß nur ein Gesprächsthema möglich war, nämlich Klatschgeschichten. Trotzdem machte Nadeschda Wassiljewna noch einen Versuch:
„Haben Sie Tschechoffs „Menschen im Futteral“ gelesen?“ fragte sie. „Nicht wahr, ein vortreffliches Buch?“
Sie hatte diese Frage an Wolodin gerichtet. Der fletschte die Zähne und fragte:
„Was ist denn das, eine Novelle oder ein Roman?“
„Eine Erzählung,“ erklärte Nadeschda Wassiljewna.
„Von Herrn Tschechoff, wenn ich fragen darf?“ erkundigte sich Wolodin.
„Ja, von Tschechoff,“ sagte Nadeschda Wassiljewna und lächelte.
„Wo ist es denn erschienen?“ fragte Wolodin neugierig weiter.
„Im ‚Russischen Gedanken‘“ antwortete das Fräulein sehr liebenswürdig.
„In welcher Nummer?“ erkundigte sich Wolodin.