„Wenn man mich klappt, so wird es Unannehmlichkeiten geben.“
„Du brauchst es ja nicht selber zu tun; miete dir doch irgend jemand,“ sagte Peredonoff.
„Bei Gott, es wäre eine gerechte Strafe,“ sagte Wolodin begeistert, „denn wenn sie nicht eine richtige Heirat eingehen will, indessen aber bei Nacht junge Leute durchs Fenster in ihr Zimmer läßt, — so hört doch alles auf. Solche Menschen haben weder Schamgefühl noch Gewissen.“
VI
Am nächsten Tage machte sich Peredonoff mit Wolodin auf den Weg zu Fräulein Adamenko. Wolodin hatte sich schön gemacht, er trug seinen neuen, ein wenig zu engen Bratenrock, ein reines Plätthemd, einen bunten Schlips; er hatte seine Haare mit Pomade eingerieben, sich parfümiert und war in gehobener Stimmung.
Nadeschda Wassiljewna Adamenko lebte mit ihrem Bruder in einem eigenen roten Ziegelhäuschen; nicht weit von der Stadt hatte sie ein Gut, welches verpachtet wurde. Vor zwei Jahren hatte sie die höhere Töchterschule absolviert und beschäftigte sich jetzt damit, auf der Ottomane zu liegen, allerhand Bücher zu lesen und ihren Bruder, einen elfjährigen Gymnasiasten, zu berufen. Dieser rettete sich vor der strengen Schwester mit der kurzen Bemerkung: „Mama war viel besser als du. Mama stellte einfach den Regenschirm in die Ecke, nicht mich.“
Bei Nadeschda Wassiljewna lebte noch ihre Tante, ein wesenloses, unselbständiges Geschöpf. Im Haushalt hatte sie nichts zu bedeuten. Nadeschda Wassiljewnas Bekanntenkreis war eng begrenzt. Peredonoff besuchte sie selten und nur der Umstand, daß er sie fast garnicht kannte, entschuldigte seinen Plan, dieses Fräulein mit Wolodin zu verheiraten.