Der Oberstleutnant Nikolai Wladimirowitsch Rubowskji war nicht besonders groß, untersetzt, er hatte dichte Brauen, fröhliche graue Augen und hinkte ein wenig. Daher klirrten seine Sporen unregelmäßig. Er war sehr liebenswürdig und in Gesellschaften ein gern gesehener Gast. Er kannte alle Leute in der Stadt und ihre geschäftlichen Beziehungen; er liebte es, kleine Klatschgeschichten zu hören, war aber selbst bescheiden und verschwiegen wie ein Grab und bereitete niemandem unnützerweise Unannehmlichkeiten. Man blieb stehen, begrüßte sich, plauderte. Peredonoff machte ein verdrießliches Gesicht, hielt vorsichtig Umschau und sagte dann:

„Ich höre, unsere Natascha ist bei Ihnen im Dienst; ich bitte, glauben Sie ihr nicht, wenn sie etwas über uns erzählen sollte; das lügt sie.“

„Dienstbotenklatsch ist mir zuwider,“ sagte Rubowskji voll Würde.

„Sie ist eine gemeine Person,“ fuhr Peredonoff fort, ohne die Entgegnung Rubowskjis zu beachten, „sie hat einen Geliebten, einen Polen. Vielleicht ist sie nur darum zu Ihnen gegangen, um irgendwelche geheime Akten zu stehlen.“

„Bitte, beunruhigen Sie sich nicht,“ versetzte trocken der Oberstleutnant, „Festungspläne habe ich nicht in Verwahrung.“

Diese Erwähnung von Festungen überraschte Peredonoff. Es schien ihm, als spiele Rubowskji darauf an, daß er es bewirken könne, ihn hinter Schloß und Riegel zu bringen.

„Ach was, Festungen,“ murmelte er, „so war es nicht gemeint. Ich wollte nur im allgemeinen bemerken, daß über mich allerlei dumme Gerüchte umlaufen. Das hat seinen Grund im Neid. Glauben Sie, bitte, nichts Derartiges. Man denunziert mich, um den Verdacht von sich selber abzulenken. Uebrigens bin auch ich in der Lage, zu denunzieren.“

Rubowskji verstand nicht recht.

„Ich gebe Ihnen die Versicherung,“ sagte er, mit den Achseln zuckend und sporenklirrend, „mir sind gar keine Anzeigen gemacht worden. Irgend jemand hat Ihnen wohl im Scherze damit gedroht, aber man redet oft mehr, als man verantworten kann.“

Peredonoff traute ihm nicht. Er glaubte, daß der Gendarmerieoberst etwas vor ihm verheimliche, und ihm wurde sehr bange.