Peredonoff stellte sich auf seinen gewohnten Platz. Von hier aus konnte er den ganzen Chor überblicken. Mit den Augen zwinkernd sah er auf die Reihen der Sänger und dachte, daß sie unordentlich stünden und daß er schon Ordnung schaffen wolle, wenn er Inspektor wäre. Zum Beispiel der brünette Kramarenko. Er war klein, schmächtig und beweglich und wandte sich bald hierher, bald dorthin, bald flüsterte er seinen Nachbarn etwas ins Ohr oder lachte und keiner berief ihn. Als wäre es vollständig gleichgültig.
„Das ist Unfug,“ dachte Peredonoff; „diese Sänger sind immer Taugenichtse; jener schwarzhaarige Bengel hat einen schönen, reinen Diskant, — da denkt er gleich, er kann in der Kirche nach Herzenslust schwatzen und lachen.“
Und Peredonoff ärgerte sich.
Neben ihm stand der ein wenig zu spät gekommene Inspektor der Volksschulen, Sergius Protapowitsch Bogdanoff, ein alter Mann mit braunem, dummerhaften Gesicht, welches stets so aussah, als wünschte er jemandem etwas zu erklären, was er selber absolut nicht begreifen konnte. Man konnte diesen Bogdanoff sehr leicht in Erstaunen setzen oder erschrecken: wenn ihm etwas Neues oder Aufregendes zu Ohren kam, so furchte sich seine Stirn in krankhafter Aufregung und seinem Munde entfuhren unverständliche, sinnlose Worte.
Peredonoff beugte sich zu ihm und flüsterte:
„Eine Ihrer Lehrerinnen trägt rote Blusen.“
Bogdanoff erschrak. Sein Kinn zitterte vor Angst.
„Was sagen Sie da?“ flüsterte er heiser, „wer tut das?“
„Na jene mit dem dicken Hals, diese unförmliche Person da. Ich weiß ja nicht, wie sie heißt,“ flüsterte Peredonoff.
„Mit dem dicken Hals, mit dem Hals,“ wiederholte Bogdanoff fassungslos, „das ist die Skobotschkina.“