Das schrieb er ihr, als er allein nach Paris ging. Sie nahm es gelassen und natürlich. Ihr Leben richtete sie mit der Verständigkeit zurecht, die seine Verliebtheit allzuoft gestört, die ihn leicht ein wenig gelangweilt hatte. Andere Frauen kamen in sein Leben, und der Dämon seiner Kunst herrschte immer stärker über ihn. – Die regelmäßigen Zahlungen für den Jungen, die von ihm erhöht wurden, als er besser verdiente, ließ er durch seinen Bankier übermitteln. Er selbst wollte möglichst wenig und selten an diese Jugendepisode gemahnt werden.


Martha Lebus hatte Rolfers vorgelesen mit ihrer angenehmen Stimme, die er gerne hörte. – Es war ihm schon zur Gewohnheit geworden, daß sie täglich am Nachmittag für einige Stunden bei ihm war, Aufträge für ihn besorgte, Briefe für ihn schrieb, ihm in mancherlei Weise zur Hand ging. Sie tat dies alles in einer selbstverständlichen schlichten Weise, so daß es ihm nicht in den Sinn gekommen wäre, ihre Dienste abzulehnen.

Sie nannte Richard oft und erzählte diesen oder jenen Zug von dem Knaben. Es war ersichtlich, ihr ganzes Denken und Fühlen beschäftigte sich mit ihm. Rolfers hörte höflich zu, ohne wärmere Anteilnahme zu zeigen. Trotzdem fragte sie endlich zaghaft, ob sie den Jungen nicht einmal mitbringen dürfe.

Die Frage berührte ihn peinlich. – Sein Sohn? – Ein Stück seiner eigenen Persönlichkeit zu einem fremden Leben erwacht?

Keine Gewohnheitskette verband ihn mit diesem Begriff. Keine Überraschung prägte ihn als ein neues Ereignis in sein Geschick. Er hatte ja immer gewußt, daß da irgendwo ein Sohn von ihm lebe und von der Mutter sicherlich gut und tüchtig erzogen würde.

Er antwortete auf Marthas Frage nur mit einer verneinenden Bewegung. Als er die traurige enttäuschte Miene sah, mit der sie den Kopf zur Seite wandte, von ihm fort, dauerte sie ihn.

»Martha – Kind – was hat es denn für einen Sinn? Der Junge wird kaum sehr freundliche Gefühle für mich haben können.«

»Darum eben dachte ich ...,« stotterte sie verlegen.

»Ihr Frauen denkt immer, das Unmögliche geht – weil ihr es wünscht. Wozu den armen Kerl quälen mit unangenehmen Situationen? Ja, – wenn er nie von mir gehört hätte ...