Aber Rolfers fuhr im gleichen gereizten Tone fort: »Ihr Frauen seid unbegreifliche Geschöpfe. Ich erinnere mich gut, daß du meine Kunst im Grunde immer haßtest – wenn du es auch ziemlich geschickt verbergen konntest. Bei Gelegenheit brach’s doch durch. Ganz elementar. War ja auch für dich eine fragwürdige feindliche Macht. Wäre ich einfacher Bürger gewesen, hätte ich doch schwerlich so gehandelt, wie ich eben handelte ... na, lassen wir das. Nun willst du in einer Art
von sentimentaler Erinnerung den Bengel in etwas hineinzwingen, was ihm vermutlich nicht im mindesten liegt. Wo bleibt da deine vielerprobte Verständigkeit? Wie alt ist der Bub eigentlich? Zwölf Jahr’?«
»Nein – vierzehn,« berichtigte sie mit zitterndem Munde.
»Ach, so alt schon ...? Ja – verzeih – ich habe Tage und Jahre niemals nachgezählt!« Sie hob die Augen und sah ihn schweigend an, mit einem eigentümlich hoffnungslosen Blick. Franz erwiderte den Blick ernst und ruhig.
»Wir wollten von dem Jungen sprechen,« sagte er nach einer Weile kühl. »Du hast mir neulich angedeutet, daß er nicht gerade von liebevollen Gefühlen gegen mich beseelt ist, was ich ihm wahrhaftig nicht verdenken kann.«
»Ich habe immer versucht, gerecht zu sein, wenn ich von dir sprach,« verteidigte sich Martha.
»Das traue ich dir zu. Aber der Junge müßte doch ein Schlappinsky erster Güte sein, wenn er nicht einen ehrlichen Haß gegen mich hätte – Teufel auch! Denke ich mich an seine Stelle ... Kennt er denn Bilder von mir?«
»Außer der Pastellzeichnung, die du von mir gemacht hast und die bei uns hängt, keine. Er war auch nie zu bewegen, in die Nationalgalerie zu gehen und die ‘Düne im Sturm’ zu sehen, die sie dort von dir angekauft haben.«
»Ja – dann verstehe ich aber noch weniger ...«
»Er will auch gar nicht Maler werden. Er haßt alle Künstler – ‘verachtet’ sie, wie er sich ausdrückt. Er hat ja nie einen gesehen und gesprochen –,« fügte sie mit einem kleinen Lachen ein ... »Er will Jura studieren und Rechtsanwalt werden – weil er gehört hat,