»Ich ängstige mich, er könnte etwas fallen lassen oder verderben ...«
»Und wenn schon – was liegt daran ... Sehen möchte ich ihn – sein Gesicht – wie er da herum geistert ...«
Martha hatte ihren grauen Soldatenstrumpf wieder vorgenommen. Die Nadeln klapperten hastig, von unruhigen Fingern gerührt. Sonst hatte ihr Richard stets gehorcht ...
Nach einer Weile hörten sie ihn vorsichtig
die Treppe hinuntertappen, durch den Flur schleichen, die Haustüre aufklinken.
»Er sollte doch zum Tee kommen,« bemerkte die Mutter.
»Nein, er soll jetzt nicht zum Tee kommen – laß ihn laufen, er soll mit sich allein sein.« Rolfers beugte sich vor, hob die Gardine und blickte der kleinen Gestalt nach, die eilig am Gartengitter hinstrich, um die Ecke bog, den einsamen Weg zum Moor einschlug. Als er wieder ins Zimmer zurückschaute, wo die Frau inzwischen die Lampe angezündet hatte, glänzten seine Züge warm und freudig.
»– Ich werde nie vergessen, wie selig ich war, als ich zuerst in ein Museum kam – meine Mutter nahm mich eines Tages unverhofft mit in die Stadt und ging mit mir hinein! – Wie besoffen bin ich vier Tage lang herumgelaufen – kriegte Tadel über Tadel in der Schule, weil ich nicht aufpaßte – ja – ich
weiß noch – ein kolossaler Schinken von Rubens mit so ’nem springenden Löwenbiest und einer fetten Frauensperson – der überwältigte mich ganz und gar – jetzt finde ich ihn scheußlich – es war einfach die Kraft, die Üppigkeit, die mich da so anschrie ...« Er lachte gutlaunig, indem er sich in seine Jugenderinnerungen vertiefte. »Damals ging mir’s zuerst auf, daß ich Maler werden müsse ...«
Martha fragte weiter und ließ sich erzählen, während sie ihn mit Tee versorgte und ihm Zigaretten und Feuer brachte. Es waren immer ihre liebsten Stunden gewesen, wenn er so ins Plaudern geriet – es geschah schon früher selten genug und war allemal ein Zeichen von besonders guter Stimmung. Plötzlich kam ein Punkt, wo die Gegenwart sich wieder unerbittlich, gespenstisch vor die heitere tatenfrohe Vergangenheit schob. Und