»Also – hol’s und dann werden wir sehen!«

Er schoß unten durch das Wohnzimmer an seiner Mutter vorüber: »Du – er will meine Skizzen sehen ...«

Sie sah die leuchtende Geistesschönheit, die das junge Gesicht durchglühte – nein so – so hatte sie ihren Jungen nie vorher geschaut.

Ein Schmerz, der sie völlig schwindlig machte, rann ihr vom Herzen bis in die Fingerspitzen.

Warum ließ ich seine Macht wieder in unser Leben hinein? dachte sie voller Haß.


Nun wurde Richard der Schüler seines Vaters. Der war ihm ein harter Lehrer. Oft hätte der Junge den Sonntagmorgen tausendmal lieber verträumt, verbummelt, wäre ziellos im Dorf und in der Umgegend herumgestreift. Das gab’s nicht mehr. Die karge Zeit, die von den Schulpflichten übrigblieb, mußte ausgenützt werden. Das Schlimmste für Richard war: er sollte noch einmal ganz von vorn anfangen. Malkasten, Pinsel und Farben beiseite lassen – nur zeichnen, mit Kohle, mit Rötel, mit Bleistift – aber immer nur zeichnen. Das fand er demütigend und philisterhaft. Er lehnte sich innerlich dagegen

auf und bereute oft genug, daß er Rolfers in seine Arbeiten hineinschauen ließ. Es war ein liebes Träumen und Versuchen gewesen bisher, ein Ausfüllen von Mußestunden. Was arbeiten heißen wollte, lernte er jetzt erst.

Beim Durchblättern seiner früheren Skizzen hatte er eines Tages die mühselig hingekritzelte »4« auf der sauberen Schulzeichnung entdeckt und sich seine Gedanken dazu gemacht. Der Professor hatte seine Arbeiten also schon früher gesehen ... Na ja – die Mutter hatte es wohl nicht lassen können, mit ihm zu renommieren.

Aber wie war denn das – sollte etwa doch das Interesse an seinen, an Richards eignen Arbeiten bei der Einladung des Professors irgendeine Rolle gespielt haben? Sollte es nicht nur die Mutter und ihre Pflegedienste gewesen sein? Bezog sich hierauf am Ende