»Das möchte ich sehen ...,« rief Richard, dessen Blicke aufmerksam an dem Bilde hingen.
»Wirst du schon mit der Zeit.«
»Der Torfstecher ... das ist ja der alte Timme – in dem Häuschen, wo das viele Moos auf dem Dache wächst – der sitzt immer so dösig vor der Tür ...«
»Ja – dösig ist er – hat ’en Blick wie ein altes Tier, das eben aus ’m Moor rausgekrochen ist. Warte mal, – irgendwo müssen hier herum die Studien zu dem Bild sein – daraus kannst du sehen, wie so was wird.«
Der Junge stand verlegen, während Rolfers in den Mappen blätterte. Eilig sprang er zu, die bezeichnete auf den großen Tisch zu tragen. Rolfers nahm Blatt auf Blatt heraus – erklärte, sprach über seine Pläne, Versuche, erörterte die Unterschiede zwischen Bild und Studie, über Raumverteilung und Perspektive – über künstlerische Abgrenzung als Geschmacksfrage ... Er dachte kaum noch daran, daß er einen Knaben vor sich hatte, dem das alles böhmische Dörfer sein mußten. Er redete geistreich, bildhaft und treffend, wie er vor seiner Malklasse von herangewachsenen Akademieschülern gesprochen haben würde. Dabei ging er in dem Atelier hin und her, belegte seine Ausführungen an dem Vorhandenen, auch an Farbenskizzen von Kollegen mit sinnfälligen Beispielen.
»Interessierst du dich eigentlich für diese Dinge?« fragte er, sich unterbrechend.
Rolfers lächelte. Einen so quellklaren Blick hatte Martha zuweilen haben können – wenn sie ihm entgegenkam, bebend vor Liebe und Zärtlichkeit, seine Umarmung, seine Küsse erwartend. Sonderbar, wie tote Dinge aufleben konnten und dann doch so neu und anders wurden ...
Eine Stille war entstanden, in der Rolfers die Stimme des Knaben hörte, scheu und heiser vor Erregung:
»Ich möchte Ihnen mal was zeigen – na – es ist nischt – ich weiß schon ...«