Gegen Abend traten die Kompagnien am Ufer des Flüßchens zum Appell an. Hell schien die warme Frühlingssonne dem Hauptmann Breuer in das gute rotbraune Gesicht, als er die ihm anvertrauten Mannschaften musterte. Ganz unten in der Reihe stand Helmut in seinen zerlumpten Kleidern, eine feldgraue Mütze auf dem Kopf, der Jüngste der Kompagnie.
Der Hauptmann hielt eine Ansprache.
»Leute!« sagte er, »ihr habt alle eure Pflicht ehrlich getan an dem heißen Kampftag! Was uns befohlen war, das haben wir geleistet. Aber achtzig von euch stünden heut nicht unter uns, wenn dieser junge Zivilist hier nicht über die Köpfe der schnarchenden Feinde hinweggestiegen wäre und durch einen kühnen Ritt ihnen die Befreiung gebracht hätte! Helmut Kärn tritt vor!«
Militärisch stramm folgte der Junge dem Befehl.
»Dir gebührt das Ehrenzeichen der Tapferkeit!«
Der Hauptmann löste das Eiserne Kreuz von seiner eigenen Brust und heftete es Helmut an die zerrissene Jacke.
»Trage das Kreuz, den höchsten Schmuck des deutschen Soldaten zur Erinnerung an deine mutige Tat! Bleibe durch dein ganzes Leben seiner würdig! Ein Hurra unserem jungen Helden!«
»Hurra – Hurra – Hurra!« klang es dröhnend aus Hunderten von rauhen Männerkehlen zum goldenen Abendhimmel empor.
Helmut stand stumm und zitternd vor Glück, während der Hauptmann seinem Vater die Hand schüttelte. Dem rannen die dicken Tränen in den zottigen Bart.
Dem Hauptmann Breuer war es immer wohler, wenn die feierlichen Augenblicke vorüber waren, und er wieder gemütlich mit seinen Leuten verkehren konnte. So nahm er denn, während die Mannschaften abtraten, Helmut am Ohrläppchen und schüttelte ihn lachend. »Verfluchter Bengel, jetzt geht's aber spornstreichs zurück in die Schule! Auf die Hosen gesetzt und gebüffelt! Verstehst du mich? Wehe dir, wenn's nächste Ostern keine Versetzung gibt!«