Viele in Europa längst außer Gebrauch gekommene pflanzliche Heilmittel haben in Aegypten immer noch große Bedeutung. Ihre dauernd eingebürgerten Namen machen daher, obgleich meist fremdsprachlichen Ursprungs, einen wichtigen Teil des heutigen Sprachguts der Aegypter aus und sie konnten daher nicht unberücksichtigt gelassen werden. Von einer Benutzung des reichen Drogenverzeichnisses von Berggren (in „Guide français-arabe-vulgaire“ Upsala 1844), S. 826-833 hat Abstand genommen werden müssen, weil in diesem von Kennern wertgeschätzten Wörterbuch die in Cairo und in Damascus gebräuchlichen Namen nicht unterschiedlich bezeichnet worden sind.
Bei der alphabetisch geordneten Reihenfolge der Namen ist der arabische Artikel el mit seinen Assimilationen durchweg unberücksichtigt geblieben, desgleichen der arabische Konsonant 'Ain ع, weil durch ein eigenes Zeichen ' wiedergegeben und deshalb in der Reihenfolge nirgends unterzubringen.
Auf Seite 1 dieser Veröffentlichung ist die für alle 6 Abteilungen gültige Umschreibung der Schriftzeichen des arabischen Alphabets durch lateinische Buchstaben angegeben. Auf Seite 1 sind aber auch die nur für die Abteilung I und für die Namenliste von Aegypten bestimmten Abkürzungen von Namen der Gegenden und der Gewährsmänner abgedruckt, die eigentlich für sich getrennt auf Seite 3 zu suchen sein sollten.
Wie im Munde des Aegypters der durch q wiedergegebene Kehllaut qāf ق klingt, ist schon angedeutet worden. Hinsichtlich des wichtigen gim ج muß hervorgehoben werden, daß es von allen Bewohnern des aegyptischen Niltals einfach wie unser hartes g ausgesprochen wird, von den arabischen Beduinen der östlichen Wüstenregion dagegen vorwiegend wie ein gequetschtes g (ǵ) (mit unseren Buchstaben etwa durch gj wiederzugeben), wie das ja auch der bei der Mehrzahl der echten Araberstämme gebräuchlichen Lautbildung zu entsprechen scheint. Wie dsch wird das gim indes von einzelnen Araberstämmen der östlichen und namentlich der westlichen Wüstenregion gesprochen. Genauere Angaben hierüber zu machen würde den Bereich meiner Erfahrung überschreiten.
Was schließlich die Wiedergabe der emphatisch ausgesprochenen Konsonanten, namentlich der Gaumenlaute im Munde des Aegypters anbelangt, vor allem des Ackersmannes und einfachen Mannes in den Städten, so, glaube ich, wird selbst der geschulte Sprachforscher in große Verlegenheit geraten, da er die meisten gar nicht von den ihnen nahestehenden Zahnlauten t, d, ss und s zu unterscheiden imstande sein wird. Er wird, um gehörte Namen richtig niederzuschreiben, sich wohl immer an das Lexikon halten mögen. Wo dieses versagt, was bei so vielen Worten von unklarer Etymologie der Fall sein muß, hilft eben nur die von Professor J. J. Hess[6]) befolgte Methode, von der vorhin die Rede war. Auch die zu den aegyptischen Wüstengebieten gehörigen arabischen Beduinen unterscheiden in der Aussprache meist mit hinreichender Deutlichkeit diese Konsonanten. Als Paradigma eines aus verschiedenen Varianten auf seine ursprüngliche Fassung reduzierten besonders polymorphen Wortgebildes sei, auch als Ergänzung zu den [S. 38] und [67] aufgeführten Namen, für die nicht nur in den Wüstentälern, sondern auch im Kulturland des Niltals weitverbreitete Pulicaria (Francoeuria) crispa Cass., folgende von Hess aufgestellte Formenreihe angeführt:
| githgāth | جثجاث | bei den Hhaddai vom Negd (scheint die klassische Form zu sein) |
| gitjā | جثيا | laut Muhīq vom Stamme der 'Otēbi im Negd |
| gitjeh | جتيه | bei den 'Ababde (arabisierten) |
| geth.thāt | جثاث | bei den Ma'āseh |
| gifgāf | جفجاف | bei den Hheuāt im Sinai |
| kutkāt | كتكات | bei den 'Ababde (arabisierten). |
ZU ABTEILUNG II.
(Arabische Pflanzennamen aus der Flora von Jemen nach Peter Forskål.)
In den Ländern arabischer Zunge hat nie ein reisender Forscher so viel zur Bereicherung der arabischen Nomenklatur der Pflanzenwelt beigetragen wie der Kopenhagener Professor Peter Forskål, der nach gründlichen Forschungen in Aegypten eine ausgedehnte Reise durch Jemen machte, dort aber zu Jerim am 11. Juli 1768 infolge klimatischer Einflüsse seinen leider nur allzufrühen Tod fand. 758 arabische Namen, die sich auf 475 verschiedene Pflanzenarten beziehen, finden sich in den zwei Aufzählungen verzeichnet, die das von Carsten Niebuhr mit bewundernswerter Sorgfalt nach den von Forskål hinterlassenen Papieren redigierten Werk „Flora aegyptiaco-arabica“ (Havniae 1775) enthält.
Bei der wenig übersichtlichen Anordnung des Forskål’schen Werks, das noch dazu eines alphabetisch geordneten Registers entbehrt, war es nicht nur für den Botaniker mit erheblicher Mühe und mit Zeitaufwand verknüpft, bestimmte Pflanzennamen ausfindig zu machen. In höherem Grade mußte das der Fall sein, wenn ein Sprachforscher sich unter den 758 arabischen Pflanzennamen orientieren wollte, die allein für die Flora von Jemen Geltung haben.