Für den Sprachforscher von Fach kann meine Methode, der Lautumschreibung, man mag von ihr halten was man will, keine Gefahr des Mißverständnisses in sich schließen, denn in jedem Falle wird ersichtlich sein, welche arabischen Buchstaben ich bei den angeführten Namen in Gebrauch wissen wollte. Das gleiche gilt für die nichtdeutschen Benutzer dieser Namenlisten, die sich an das umschriebene Alphabet auf der ersten Seite halten und die Aussprache der Konsonanten nach Maßgabe eines richtigen Deutsch regeln mögen.

Noch wären einige Erläuterungen zu den sechs Abteilungen dieser Veröffentlichung zu geben, um die bei der Herstellung der einzelnen Namenlisten innegehaltenen Gesichtspunkte klarzulegen:

ZU ABTEILUNG I.

(Arabische Pflanzennamen, die im eigentlichen Aegypten im Gebrauch sind).

In unserer 1887 in den Denkschriften des Institut Egyptien zu Cairo veröffentlichten „Illustration de la flore d’Egypte“ sind in Gemeinschaft mit P. Ascherson von mir alle uns aus eigener Erfahrung sowie aus der uns zugänglichen, Aegypten behandelnden Literatur bekannt gewordenen arabischen Pflanzennamen, soweit sie für das eigentliche Aegypten Geltung hatten, eingetragen worden. Obgleich wir meist darauf bedacht waren, bei den nicht von uns selbst erkundeten Namen durch Angabe der Gewährsmänner, denen wir sie entlehnt hatten, eine Prüfung ihrer Zuverlässigkeit zu ermöglichen, so war doch nach Maßgabe unserer damaligen Kenntnis und Erfahrung eine durchgreifende Kritik aller Namen und ein gegenseitiges Abwägen ihres Wertes ausgeschlossen.

Die von älteren Autoren erkundeten Namen sind, mit Ausnahme des besonders zuverlässigen Peter Forskål (in Aegypten vom 26. September 1761 bis zum 8. Oktober 1762) nur in beschränktem Maße mit aufgeführt worden, aber in allen Fällen, wo sie die Richtigkeit der in neuerer Zeit festgestellten Bezeichnungen bestätigten.

Die vorliegende Aufzählung bietet eine nach eigenen Aufzeichnungen erheblich bereicherte und hinsichtlich der von anderen Besuchern Aegyptens herstammenden strenger gesichtete Liste. Häufige Verwechselung der Arten in Verbindung mit irrtümlicher Verwendung derselben Namen für verschiedene Arten, ferner kritiklose Wiedergabe hinsichtlich ihrer Etymologie mißdeuteter Bezeichnungen, schließlich Namen, die den Stempel ihrer „ad hoc“ zur Befriedigung des Fragestellers gemachten Angaben unverkennbar an sich trugen, mußten als unnützer Ballast ausgeschieden werden, wenn schon nicht in Abrede gestellt werden kann, daß neben dem als echt Erprobten immerhin noch vieles Unnütze und Ungehörige mit Aufnahme gefunden haben mag. Auf diesem schwierigen Gebiete, wo vielleicht kein Begriff feststeht, über den nicht ohne Ende hin und her gestritten werden könnte, erscheint es fast aussichtslos bei Lebezeiten eines Menschen zu gewünschter Volkommenheit zu gelangen.

Die hier zusammengestellten 1360 Namen von 670 Pflanzenarten beziehen sich z.T. auf Gewächse von sehr verschiedener Herkunft, es erscheint aber selbstverständlich, daß Pflanzen, die mit eigenen Namen unterschieden werden, im Leben der Bewohner eine gewisse Bedeutung zukommen muß. Es sind:

1.Wildwachsende Arten der aegyptischen Flora. Mit den im verwilderten Zustande auftretenden beträgt ihre Zahl nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnis 1370.
2.Kulturpflanzen des Acker- und Gartenbaues.
3.Aus dem Auslande (vorwiegend aus Europa, aber auch aus Palaestina und Syrien) eingeführte Früchte, Gemüse, Marktwaren und andere im Handel vorkommende Produkte des Pflanzenreichs, wie—
4.die im Drogenhandel des Landes vorkommenden fremdländischen Pflanzen und Pflanzenprodukte. Zu ihnen gehören die technisch verwerteten und namentlich die Medizinalpflanzen, die in Aegypten in ausgedehntem Maße Verwendung finden und von weit über 200 Pflanzenarten herstammen.

Die Namen der in den Städten Aegyptens und auf den Märkten feilgebotenen Drogen habe ich, außer den selbst in Erfahrung gezogenen, hauptsächlich der von A. Figari-Bey in seinen „Studj scientifici“ (Lucca 1864 Bd. II, S. 363-395) enthaltenen Materia medica und der von Forskål (den „Descriptiones animalium“, Havniae 1775, S. 141 bis 164 von Carsten Niebuhr beigegeben) verfaßten „Materia medica kahirina“ entlehnt.