Die Umschreibung der arabischen Schriftzeichen mit Hilfe derjenigen unserer europäischen Lateinschrift hat bei Veröffentlichungen, die allgemein verständlich sein sollen, von jeher nicht leicht zu überwindende Schwierigkeiten bereitet. Da, wie gesagt, meine Namenlisten nicht allein dem Sprachforscher von Nutzen sein, andererseits auch dem Nichtbotaniker dazu dienen sollen, sich auf leichte Weise in der Pflanzenwelt der betreffenden Länder zu orientieren, bin ich von der in sprachwissenschaftlichen Werken gebräuchlichen Umschreibung abgewichen und glaube so das Trugbild einer wahrscheinlich gemachten Korrektheit vermieden zu haben. Die vermittelst diakritischer Zeichen zu Äquivalenten der arabischen gestempelten Buchstaben des Lateinalphabets werden nur von sprachwissenschaftlich geschulten Leuten verstanden. Beim eiligen Nachschlagen entgeht vielen die gewöhnlich auf der ersten Seite zu gebende Transkriptionsliste, ohne deren Benutzung unfehlbar eine durchaus falsche Auffassung der Laute erfolgt. Auch sollte ermöglicht werden, Pflanzennamen meinen Listen mit unveränderter Schreibung zu entlehnen, um sie in derselben Gestalt einem deutschgedruckten Text einfügen zu können, was bei den mit diakritischen Buchstaben versehenen meist unausführbar ist und zu häufigen Irrungen Veranlassung gibt.[4] Aber selbst unter den ohne solche Zeichen unverändert gebliebenen Lateinbuchstaben sind in der Transskription der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft einige übrig gelassen, die nur zu leicht Mißdeutungen erfahren; denn kein Deutscher, der nicht als Philologe auf seiner Hut ist, wird dazu zu bewegen sein, in einem deutschgedruckten Text das gelesene z wie s, oder das einfache s wie ss auszusprechen.[5] Um also meine Namenlisten auch für diejenigen bequem und leicht, auch mit möglichster Vermeidung allzu schlimmer Fehler benutzbar zu machen, die nicht mit der üblichen Transkription der Sprachforscher vertraut sind, habe ich eine eigene Schreibweise in Anwendung gebracht, die sich allein der Buchstaben des deutschen Alphabets bedient und, soweit es geht, in erster Linie auf ihre im richtigen Deutsch (Bühnendeutsch) gültige Aussprache Rücksicht nimmt. Es handelte sich dabei um ein dem deutschen Sprachgebrauch möglichst annäherndes Alphabet, das eine einigermaßen verständliche Aussprache der Worte zuläßt. Da wir in unserer Sprache von Hause aus einige Laute durch gehäufte Konsonanten zu bezeichnen gewohnt sind (zwei durch zwei, bei ch und ss, und einen durch drei, bei sch), ebenso einige griechische Buchstaben durch Doppelbuchstaben ganz allgemein wiederzugeben pflegen, genügte dieser Notbehelf, um die diakritischen Punkte bei sieben arabischen Konsonanten entbehrlich zu machen. Bei den übrigen bestanden keine Schwierigkeiten, weil unsere sprachlichen Äquivalente genügten. Allein der arabische Kehllaut 'Ain ع mußte durch ein eigenes Zeichen ', den sog. Spiritus asper ersetzt werden.
Am meisten Schwierigkeit verursachten bei der hier zum ersten Male versuchten Art der Umschreibung die vier emphatisch ausgesprochenen Gaumenlaute, mit Benutzung des Gaumens gesprochene Abarten unserer Laute ss, d, t und s, die ich mit tss, dd, tt und ds wiedergegeben habe. Von diesen Umschreibungen ist jedenfalls die erste die am wenigsten gelungene, da in dem arabischen Laut ص keinerlei t steckt; ich fand aber keinen geeigneten Buchstaben, um mit seiner Einschaltung überhaupt die gewünschte Lautnachahmung auch nur annähernd zu ermöglichen.
Das uns aus dem Englischen so geläufige scharfe th ث wird als allgemein verständlich zu erachten sein, ebenso seine weichausgesprochene Modifikation, die ich mit dh ذ bezeichnet habe.
Das gutturale g oder r, als gh غ geschrieben, ist bekannt, sobald man es mit unserem uvularen r in Vergleich bringt, das, als ebenso fehlerhaft im Französischen wie im Deutschen geltend, dem sog. grasseyement dieser Sprache entspricht.
Der im Englischen durch das w bezeichnete Laut kann im Deutschen einfach durch unser u و ersetzt werden.
Das in der Mehrzahl der Länder arabischer Zunge wie unser hartes g ausgesprochene gim ج ist, wo sich die Gewährsmänner der entsprechenden Lautbildung bedienten, auch mit dsch wiedergegeben worden.
Auf das durch q ersetzte arabische qāf ق, das in Aegypten (wie auch z.T. in Syrien) nur durch eine Art Anlaut und Hiatus zur Aussprache gelangt, ist als zwischen den deutschen Lauten g und k stehend kein besonderer Wert zu legen, wenn man sich doch nur notdürftig verständlich machen will.
Der arabische Silben- oder Stimmansatz (Anlaut) „Hamsa“ ist bei den Umschreibungen unberücksichtigt gelassen.
Es ist an und für sich eine mißliche Sache, arabische Worte nach der alphabetischen Folge unserer Vokale einordnen zu wollen. Die Vokale schwanken oft bei demselben Worte sowohl regionär, als auch individuell, je nach der Sprach weise des Gewährsmannes. Im allgemeinen kann man sagen, daß den Arabern überhaupt jedes Gefühl für den Unterschied zwischen den Vokalen o und u, sowie zwischen e und i abgeht. Ich konnte die Vokale nur in der Form eintragen, wie ich sie vernommen und vermied ein willkürliches Schema.
Hinsichtlich der Betonung der Silben ist es nicht möglich gewesen in den sechs Abteilungen dieser Veröffentlichung ein einheitliches Verfahren zu befolgen. In der Abteilung II hat Dr. E. Harder, der die Freundlichkeit hatte, mir bei der, was die von Forskål in arabischer Schrift eingetragenen Namen betrifft, sicher richtigen und bei den von diesem Forscher nur mit Lateinbuchstaben wiedergegebenen Namen wahrscheinlich richtigen Umschreibung seine Unterstützung zu leihen, die langen Vokale durch Horizontalstriche bezeichnet, ohne die nach Maßgabe der Forskålschen Umschreibung nicht immer deutlich gemachte Betonung zu berücksichtigen. In den übrigen Abteilungen habe ich durchweg die kurze Betonung durch den Akzent ´, den langen, ausruhenden Ton aber durch einen Horizontalstrich — über dem Vokal bezeichnet, Sprechstärke und Stimmhöhe ununterschiedlich zum Ausdruck bringend. So wird der sprachlich Ungeschulte, dem die Regeln der Betonung von arabischen Worten nicht geläufig sind, hinreichend in den Stand gesetzt sein die Namen richtig auszusprechen. Falsch betonte Namen würden dem Eingeborenen dagegen fast durchweg unverständlich bleiben.