[28] Bei Edmond de Goncourt finden sich Wendungen wie: „La veillée commençait, avec, aux vitres, un clair de lune“, oder: „Là était un vieux saule ... avec, dans le creux, des mousses vertes“. Diese Wendungen sind später von Anderen ins Unendliche wiederholt worden.
[29] Man vergleiche die Schilderung der geistigen Arbeit in „Charles Demailly“.
[30] Goethe's „Der Gott und die Bajadere“, Hugo's „Marion de Lorme“ und „La dame aux camélias“ von Dumas haben denselben Gegenstand, die Läuterung eines prostituirten Weibes durch die Liebe. Aber welch' ein Unterschied in der Perspective und dadurch in dem poetischen Werth!
[31] Die beiden Hauptpersonen In „L'Assommoir“ sind nach Germinie und Jupillon gebildet. Wie früh und tief der Roman auf Zola gewirkt hat, sieht man aus seiner 1864 geschriebenen Kritik des Buches in „Mes haines“.
[32] Isaac Pavlovsky: Souvenirs de Tourguéneff. S. 112 ff.
[33] Man vergleiche Stellen wie folgende: „Es ist, wie wenn Einer da sässe und ein Stück übte, das er nicht heraus kriegen kann, immer dasselbe Stück. ‚Ich kriege es doch heraus!‘ sagt er wohl, aber er kriegt's doch nicht heraus, wie lange er auch spielt“. — „Die grossen weissen Schnecken, aus denen vornehme Leute in alten Zeiten Fricassée bereiten liessen und, wenn sie es gegessen hatten, sagten: ‚Hm, wie das schmeckt!‘ — denn sie glaubten nun einmal, dass es vorzüglich gut schmecke — lebten von Klettenblättern“.
[34] Uffe der Schüchterne ist nach der Sage der Sohn des Dänenkönigs. Der Vater war zu seiner Zeit ein gewaltiger Krieger, aber nun ist er alt und kraftlos geworden. Der Sohn macht dem Vater die grösste Sorge. Keiner hat ihn je reden hören, er hat nie den Gebrauch der Waffen erlernen wollen, und er interessirt sich für Nichts, sondern geht in phlegmatischer Gleichgültigkeit einher. Aber als die Könige des Sachsenlandes sich weigern, dem alten Vater den gewohnten Tribut zu bezahlen, ihn verhöhnen und ihn zum Zweikampf fordern, und als der Vater in Verzweiflung die Hände ringt und ausruft: „Hätte ich doch einen Sohn!“ da spricht Uffe zum ersten Mal und fordert die beiden fremden Könige zum Holmgang heraus. Jetzt beeilt man sich, ihm Waffen zu bringen, aber kein Harnisch ist gross genug für seine breite Brust. Macht er eine Bewegung, so platzt der Harnisch sofort. Endlich muss er sich mit einem zusammengestückten und geborstenen begnügen. Eben so geht es mit jedem Schwerte, das man ihm in die Hand gibt. Sie zerspringen wie Glas, wenn er sie an einem Baume erprobt. Da lässt der König das alte Schwert Skräpp, welches sein Vater geführt, aus dem Hünengrabe holen und heisst Uffe dasselbe ergreifen, aber es nicht vor dem Kampfe erproben. So ausgerüstet stellt Uffe sich den beiden fremden Königen auf einer Insel in der Eider. Der alte blinde König sitzt am Ufer des Flusses und horcht mit bangem Herzklopfen auf die Schwerthiebe. Wenn sein Sohn fällt, will er sich in die Wellen stürzen und sterben. Da schlug Uffe auf den einen der Sachsenkönige los und hieb ihn quer mittendurch. „Den Ton kenne ich“, sagte der König, „das war Skräpp's Klang!“ Und Uffe that noch einen Streich und hieb den andern König der Länge nach mittendurch, so dass er in zwei Hälften zur Erde fiel. „Da klang Skräpp zum andern Mal“; sagte der blinde König. — Und als der alte König starb, bestieg Uffe den Thron und ward ein mächtiger und gefürchteter Herrscher. — Es ist übrigens auffallend wie viel Aehnlichkeit dieser dänische Nationalheld mit dem russischen, Ilia aus Murom, hat.
[35] Die Fabeln des vorigen Jahrhunderts (z. B. Lessing's Fabeln) sind blosse Moral.
[36] G. Brandes: S. Kierkegaard. Ein litterarisches Charakterbild. Leipzig 1879.
[37] Es gibt keinen einzigen dänischen Dichter, der es in solchem Grade wie Andersen verschmäht hätte, durch die Romantik der Vergangenheit zu wirken; er ist selbst im Märchen, das von der romantischen Schule in Deutschland von Anfang an in so mittelalterlichem Stile behandelt ward, immer voll und ganz in der Gegenwart. Er wagt, eben so wie Oersted, das Interessante in der Schwärmerei für König Hans und seine Zeit aufzuopfern, und er sagt gerne wie Ovid: