Der Bräter von D. ist auch insofern der bestausgestattete, den ich kennen lernte, weil zu ihm noch ein kastenartiger Holzmantel gehört, der zum Schutz über ihn gestülpt wird, überall geschlossen, nur an einer Seite mit zwei Löchern zum Durchstecken der Bratspieße versehen. Die äußeren Wände sind mit aufgemalten Küchenszenen einfacher Art verziert.
Zugbräter finden sich bei A., B., F. und E., Federbräter bei D., in der Küche des Museums und abgebildet in Fig. 2. Für Nürnberg sind also diese beiden Arten, die uns auch bei Schmeller begegneten, bezeugt. Schon früher finde ich im Jahre 1703 bei der Nürnbergischen Haushalterin S. 202 folgende Stelle: » Das Eiserne Kuchen-Geräthe ebenfalls zu benennen, sind selbiges die Bräter oder Bratenwender, und entweder hier zu Land Feder Bräter, oder Zug- und Gewicht-Bräter, samt denen dazu gehörigen, wie auch allerley Arten von Hand-Spißen also genannt, weil man sie mit der Hand umdrehet; theils Orten werden auch die Bräter von Hunden umgetrieben. « Diese Stelle bezeugt also für Nürnberg ebenfalls sowohl den Zug- wie den Federbräter. Die schon anderweitig erwähnte Stelle bei Comenius, Orbis pictus II, 132 zeigt auf dem zu der Angabe: » Bräter, Bratenwender, Automatum, Rotatum instrumentum versando veru. Veru automatum, ein Bräter « zugehörenden Holzschnitte einen Zugbräter. Wo mir aber davor der Bräter in Nürnberg begegnet ist, läßt sich nicht mehr erkennen, um welche Art es sich handelt. In Tuchers Haushaltungsbuch begegnet das Gerät an drei von A. Schultz mißverstandenen Stellen[113]: im Jahre 1512 schreibt Tucher (S. 95): » Item adi 9. novembris mit dem Jacob Pülman abgerechnet und ime fur eczlich claine arbeit und alle ding beczalt und fur den pratter czu pessern alles 2 28 ₰.« Dieser Bräter war jedenfalls schon mehrere Jahre in Gebrauch, denn bereits im August des folgenden Jahres mußte er durch einen neuen ersetzt werden: » Item adi 13. augusto (A o. 1513) dem Heiß schlosser fur 2 new pratter ein in gartten, den andern hereins ins hauß, dafur 1 alten pratter geben darczu par beczalt 3 fl. « Erst vier Jahre später erscheint das Gerät dann wieder unter den häuslichen Ausgaben: » Item adi 11 luio (A o. 1517) dem N. Hewsz schlosser... vom pratter czu pessern 25 ₰ « und wir dürfen wohl daraus schließen, daß der neue Bräter jene Zeit über im Betriebe geblieben war, ehe wieder eine Besserung notwendig wurde. Aus dieser langjährigen Benützbarkeit und aus der ganzen Art, wie Tucher von dem Bräter als einem offenbar allbekannten Gerät spricht, schließlich auch aus der Thatsache, daß bereits i. J. 1513 der Schlosser, nicht etwa der Uhrmacher, den Bräter herstellte, scheint mir klar erwiesen, daß das Gerät in Nürnberg schon im 15. Jahrhundert sich eingebürgert hat. Demnach ist es in Deutschland älter als in Frankreich, wenn anders Havard Recht behält, der sein Aufkommen in Frankreich erst im 16. Jahrhundert ansetzt. Daß es freilich weder bei Du Cange, noch bei Diefenbach erwähnt ist, kann bei seinem verhältnismäßig späten Erscheinen nicht Wunder nehmen.
Einen modernen durch Elektrizität getriebenen Bräter konnte ich jüngst in einer Nürnberger Gasthausküche betrachten, und auch mit Gas getriebene Windbräter sind dem modernen Techniker nichts unbekanntes. —
In den vorstehenden Ausführungen glaube ich die Herdgeräte, soweit sie wenigstens für Nürnberg in Betracht kommen, in lückenloser Reihenfolge zusammengestellt zu haben. Ihre technische Herstellung und ihren Gebrauch im häuslichen Leben habe ich nach den mir bekannten Quellen zu schildern versucht, und jeder moderne Mensch wird der Meinung sein, daß damit alle ihre für uns interessanten Beziehungen erschöpft seien. Dennoch haben wir ein Gebiet, in dem sie ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle spielten, fast noch gar nicht berührt. Denn mehr als im 20. Jahrhundert hatten die Menschen in vergangenen Tagen ein, fast möchte ich sagen, persönliches Verhältnis zu ihrem Hausgerät, insofern dasselbe nicht nur dem täglichen Gebrauche diente, sondern auch vielfach zum Träger mannigfaltiger Glaubensbeziehungen geworden war. Also auch in mythologischer Hinsicht bietet die Betrachtung der Herdgeräte übergenug des Interessanten. Leider aber bin ich zur Zeit außer Stande, in dieser Beziehung eine auch nur einigermaßen befriedigende Zusammenstellung zu geben, und wenn ich im folgenden einige Bemerkungen darüber wage, so bitte ich dieselben nur als einen Nachtrag zu dem aufzufassen, was E. H. Meyer, Deutsche Volkskunde (Straßburg 1898) S. 67 ff. und Meringer a. a. O. XXI, 147 ff. bereits über diesen Gegenstand dargeboten haben.
Über die mythologischen Beziehungen des Herdes sind schon in den einleitenden Bemerkungen einige Worte gesagt. Als vorbedeutend beachtete man, wie das Feuer des Herdes brennt.[114] Der Herd ist der Sitz der Geister.[115] Demgemäß haben besonders die Hexen nahe Beziehungen zu ihm. Jedermann weiß, daß der Hexenritt durch den Schornstein führt, wobei u. a. der Besen, der Feuerhaken oder auch die Ofengabel als Reitpferd dienen.[116] Auch noch in anderer Beziehung gebrauchen die Hexen das letztgenannte Gerät: »die Ofengabel soll man nicht im Ofen lassen, sonst können die Hexen täglich einen Ortsthaler aus selbigem Hause holen.«[117] Ebenso berichtet Grimm W. B. II, 1381; im Anschluß an Panzers »Bairische Sagen« über den Dreifuß als Hexeninstrument: »Der Aberglaube unserer Zeit bringt den Dreifuß, wie den Drudenfuß in Verbindung mit den Hexen. Wenn eine Krankheit unter den Gänsen ausbricht, brät man eine kranke Gans lebendig auf einem Dreifuß, weil die Hexe, welche die Krankheit veranlaßt hat, solche Schmerzen erleidet, als ob sie selbst im Feuer läge.« In diesem Zusammenhange darf ich ferner die Verwendung des Kesselhakens beim zauberhaften Heilverfahren gegen die Pest nicht unerwähnt lassen, die wir (vergl. Grimm, Mythol. 4 II, 993) aus dem Munde des Geistes der Pestkrankheit selbst vernehmen: »Der Pest gab im ein Lehr, er solt... sich nackend ausziehen und überal kein Kleid an seinem Leibe haben, und sol sein Kesselhaken nehmen, forne aus seim Haus ausgehen mit der Sonnen umb sein Hof erumb laufen, den solte er unter der thürschwelle vergraben.« Grimm bemerkt dazu: »Das Wegschaffen des Kesselhakens vom Herde scheint Auflassung des Hauses auszudrücken...« Wie der abtretende, ausziehende Eigenthümer symbolisch » das haal auf dem herde nieder schürzet,« so muß es der neue Besitzergreifer » aufschürzen.«
Das Museum besitzt ein handschriftliches Kunst- und Zauberbuch des 17. Jahrh. (Hs. 41, 125. 4 o. 486 Seiten), dessen 11. Kapitel »von Hexen und Bezauberungen« handelt, gegen die 11 verschiedene Gegenmittel und Rezepte mitgeteilt werden. In denselben nun spielt nicht nur das Kochen, Braten oder Verbrennen von allerhand unerquicklichen Sachen eine große Rolle, sondern auch Herd und Herdgerät werden selbst als wichtige Hilfsmittel dabei benützt. Die drei hauptsächlich dahingehörenden Abschnitte teile ich im folgenden mit.
(Nr. 2. S. 213.) »Dehme, wer bezaubert ist, zu helffen. Der nehme ein Schweins Blaase, thue darein des patienten Urin, undt laße den Halß der Blaasen unterwerts zue gebunden hengen undt befestige sie oben mit einem Fahdem undt henge sie in einem Camin, dar viel rauches ist, und laß sie also hengen und allgemehlig alß dieß mit einander vertrucknet, so vergehet die Zauberey undt wirt allgemehlig beßer....« (Folgen besondere Vorschriften wegen der Schweinsblase).
(Nr. 9. S. 224.) »Ein ander wiszenschafft, das keine Hexe auß dem Hauße gehen kan. So gehe hin still schweigens, undt henge den keßelhaken über den Feur 3 Haken höher auf, alß er zueuohr gehenget hat, darnach so nimb ein Kreutzseßling, unndt stich den vnter die Schwellen deß Haußes, da die Hexe wiederumb auß gehen muß, vnndt fürs dritte, so lege Ihr gleichfals, doch stillschweigens der Hexen, das sie es nicht gewar werde, hinten auff den Rogk, recht vnter den Wammeß 3. Heuflein salz, vnndt laß die liegen. Vnndt wan dieses geschehen, ists der Hexe vnmüglich auß dem Hauße zue gehen, wans ihr auch den Halß kosten solte. Eß sei dan daß der Keßell Hake wieder hervnter, der Kreutz Sechßling vnter der Schwellen weg genommen, vnndt das saltz der Hexen vom Leibe abgeschlagen werde, wie Ichß selbst probiret habe.
Etzliche andere setzen einen neuwen Besemb achter die thüer, das es die Hexen nicht gewahr werden, vnndt halten auch gewiß dafür, daß Sie alß dan nicht können auß dem Hauße gehen, man nehme dan den besem wieder wegk.«
(Nr. 10. S. 226.) »Wie die Hexen mit Meßeren, da einer mitt gegeßen hat, den Menschen vergehen laßen. Sie nehmen des Menschen meßer, welchen Sie bezaubern willen, undt stechen daßelbige Meßer in einen Camin, da viel Rauches täglich ist, So sol der Mensche vergehen, vnndt vertrucknen, wie der tag, undt endtlich schwintsuchtig werden, Darumb soll einer sein meßer Woll in acht nehmen, Dieß habe ich von Hexen bekennen gehöret, datz Sie es guthwillig auszgesaeget ohne Tortur.«