Abgeschlossen den 5. Februar 1902.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Gustav von Bezold.

Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.

Zierleiste

ZUR MITTELALTERLICHEN HOLZPLASTIK IN SCHLESWIG-HOLSTEIN.

VON DR. FRITZ SCHULZ.

In jedem Lande, und sei es auch noch so klein, spiegeln sich die großen Strömungen der Kunstgeschichte wieder, indem seine Werke den Charakter der allgemein herrschenden Richtung tragen, ohne aber auf der anderen Seite die selbstschaffende und an sich eigentümliche Kraft des Bewohners zu verleugnen. So ist es auch in der mittelalterlichen Holzplastik Schleswig-Holsteins. Berühmte Meister, Künstler ersten Ranges hat Schleswig-Holstein in dieser Hinsicht allerdings nicht aufzuweisen, aber die jüngst erschienene, ungemein fleißige und sorgfältig angelegte Arbeit Matthaeis[148], welcher im Jahre 1898 bereits ein die Schleswig-Holsteinsche Altarplastik behandelndes Werk[149] voraufgegangen ist, zeigt zur Genüge, daß auch hier tüchtige und hervorragende Werke geschaffen worden sind, die es wohl verdienen, in einer Geschichte der Deutschen Plastik eingehend berücksichtigt zu werden. Zugleich bringt der Verfasser mit seiner Arbeit den deutlichen Beweis, daß in der Kunstübung Schleswig-Holsteins mehr künstlerische Funktionen in Thätigkeit gewesen sind, als im Allgemeinen angenommen wird.

Matthaei hat Text und Abbildungen, soweit es Lichtdrucktafeln sind, von einander getrennt. Der Text zerfällt in zwei Hauptabschnitte, von welchen der erste die Darbietung des Materials bringt, während der zweite die sich daraus ergebende Entwicklung der Holzplastik bis etwa zum Jahre 1530 behandelt.

Die Abbildungen sind im Allgemeinen vorzüglich ausgefallen. Wenn dieselben hier und da zu wünschen übrig lassen, so kennt der Fachmann die Schwierigkeit der photographischen Aufnahmen in ungünstig beleuchteten und dunklen Dorfkirchen.

Es ist natürlich nicht möglich und in vielen Fällen auch nicht wünschenswert, aus einer verhältnismäßig großen Menge erhaltener Holzbildwerke Alles zu berücksichtigen; es muß eine bestimmte Auswahl getroffen werden. Ich glaube, daß der Verfasser in dieser Hinsicht den richtigen Weg eingeschlagen hat, indem er die künstlerisch unbedingt wertvollen Stücke ausnahmslos, von den übrigen weniger bedeutenden Werken aber sowie bei großen, wesentlich gleichartigen Gebilden aus praktischen Erwägungen nur Proben gibt.