Spiele, welche die Bekehrung Pauli zum Gegenstand haben, sind nicht besonders häufig. Während eine ganze Anzahl von biblischen Stoffen fast von jedem bearbeitet wurde, der Ansprüche darauf machte, als Dichter zu gelten, indem er bestimmte Festtage durch entlehnte oder eigene Reimereien pries, während so die Historie von der Susanne, der verlorene Sohn, die klugen und thörichten Jungfrauen übereinstimmend fast in allen Teilen des Reiches aufgeführt wurden, lassen sich nur wenige Spiele feststellen, welche den dramatisch doch höchst wirksamen Inhalt des 9. Kapitels der Apostelgeschichte behandeln. Diese Spiele sind wohl von einander unabhängig. Am bekanntesten ist die »Tragicomoedia Sant Paul’s bekerung«, welche 1546 von der Bürgerschaft der Stadt Basel gespielt und fünf Jahre später gedruckt wurde[171]. Verfasser derselben war Valentin Boltz, Diakon in Tübingen, später Pfarrer zu Basel. Felix Platters berühmte Aufzeichnungen geben einen genauen Bericht über jene Vorstellung und die Mitwirkenden[172].

Wenige Tage darauf schrieb Dietherr, Lehrer am Annengymnasium zu Augsburg eine »conversio Pauli« 1553, sowie »vincula Pauli«[173]. Die Arbeit von Boltz ist unserem Johannes Strauss nicht bekannt geworden, von dem drolligen Humor, der natürlichen Derbheit des baseler Spieles ist bei seinen meist der biblischen Vorlage entsprechenden Versen nichts zu verspüren. Der Inhalt der lateinischen Dramen konnte zu einer genauen Vergleichung nicht herangezogen werden.

Johannes Straußens »Bekerung Pauli« ist eingeteilt in fünf Akte, während welcher die eigentliche Handlung vor sich geht. Dazu kommen ein grösserer Prolog und Epilog, sowie ein kurzes argumentum, welches jedem Akt vorangestellt ist. Der Prolog erweist sich als poetische Wiedergabe des Bibeltextes, eingeleitet durch die Verse:

Ir Herrn, beyd hochs vnd nidrigs standts,

Das euch auff’s kürtzste verd bekandt,

Was dises Spil euch bringen thut,

So mercket drauff, vnd habts in Hut.

Der erste Akt beginnt mit einer langen Anrede des Hohenpriesters. Der immer weiter um sich greifenden Ausbreitung der Lehre Christi müsse namentlich deswegen ernstlich entgegengetreten werden, da die Achtung von dem priesterlichen Stand überall völlig verloren zu gehen drohe:

Drumb acht man vnser jetzt nicht vil,

Wir sein der Welt ein Kinderspil