Gar keine Abhängigkeit von Dürer zeigt Brüggemann in den übrigen drei Staffelbildern, in der Kreuzigung, der Beweinung, den ersten Menschen, überhaupt in den Figuren der Bekrönung und in den Zwischenfigürchen sowie in den beiden großen Freigestalten. Wenn sich auch hier (siehe Matthaei S. 140) bestimmte Vorbilder nicht nachweisen lassen, so wird doch auch hier die Selbständigkeit der Erfindung eine geringere sein, als im Allgemeinen angenommen wird. Am wenigsten abhängig aber von Vorbildern wird Brüggemann in seinem ersten Menschenpaar und in den beiden Freifiguren sein. Es sei hier nur die Gestalt des Adam (Fig. 7) wiedergegeben. »Etwas Traumhaftes, Naives ist über die Gestalt des ersten Menschen ausgegossen, und die Verhältnisse dieser nur 80 cm großen Figur sind normal und zeigen durchaus ein Studium nach dem Leben« (Matthaei).
Fig. 7.
Adam vom Bordesholmer Altar.
Wenn ich bisher nur die oberdeutschen Einflüsse bei Brüggemann betont habe, welche sich in dem im Verhältnis zu den Niederdeutschen großen Monumentalsinn und in der Ruhe der Auffassung zeigen, so will ich nicht versäumen, hinzuzufügen, daß auch die niederdeutschen nicht geringer Natur sind. Jedenfalls geht auf diese die ganze Form der Anlage, die Einteilung in zahlreiche, kleine Fächer und die überwiegend malerische Auffassung zurück.
(Fortsetzung folgt.)
Schlussbild
Zierleiste von Virgil Solis.
JOHANN STRUTHIUS SPIEL „DIE BEKERUNG S. PAULI“.
VON
DR. HERMANN UHDE-BERNAYS.
Johann Strauß aus Elsterberg ist bisher nur als Verfasser eines »Kleyder Pluder Pauß vnd Krauß Teuffel« bekannt gewesen[170]. Doch hat er schon neun Jahre, bevor er mit der genannten Satire die ohnehin recht zahlreiche Teufelslitteratur der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts vermehrte, ein religiöses von protestantischem Ernst getragenes Spiel drucken lassen, welches bisher unbekannt geblieben zu sein scheint. Dieses Spiel verdient aus einem zweiten Grunde noch unsere Aufmerksamkeit, da eine kurze Widmung bescheidene Anhaltspunkte für das Leben des Verfassers zu geben vermag.
»Die Bekerung S. Pauli. Das IX. Capitel auß den Geschichten der Apostel Spilweiss gestellet und in Reimen verfasset durch Joannem Struthium Elsterb«. So lautet der ausführliche Titel des Druckes, welcher in der Bibliothek des germanischen Nationalmuseums sich befindet. Als Jahreszahl des Erscheinens gibt die zweite Seite des Vorworts 1572, als Ort das letzte Blatt: »Gedruckt zu Nürmberg durch Hans Koler« an. Der Kleyder-Teuffel ist 1581 in Görlitz gefolgt.