Nur der Lump ist bescheiden
entlehnen wir Goethes Versen aus dem zuerst 1810 im "Pantheon" gedruckten, von Zelter komponierten Gedichte "Rechenschaft":
Nur die Lumpe sind bescheiden,
Brave freuen sich der That.
Goethe mag hierauf, wie Schopenhauer ("Par. u. Paral." 2, 496; Lpzg. 1877) bemerkte, durch Cervantes gekommen sein, welcher in den seiner "Reise auf den Parnass" angehängten Verhaltungsregeln für Dichter auch diese giebt: "Jeder Dichter, den seine Verse lehrten, dass er einer sei, achte und schätze sich hoch, indem er sich an das Sprichwort halte: ein Lump sei, wer sich für einen Lump hält" ("ruin sea el que por ruin se tiene!").—
Hier sind wir versammelt zu löblichem Thun
ist der 1. Vers von Goethes am 26. März 1810 nach Berlin gesandtem und in den "Gesängen der Liedertafel", 1811, No. 44, zuerst gedrucktem Liede: "Ergo bibamus" ([s. auch "Geflügelte Worte aus der Geschichte"]). Das Lied sollte, wie Reinhold Steig (Goethe-Jahrbuch XVI, S. 186 ff.) aus den Akten der Singakademie nachwies, den Geburtstag der Königin Luise post festum verherrlichen. "Wunderlichst in diesem Falle!" Als "Ein Spätling zum 10. März" ist es wirklich in der Handschrift vom Dichter bezeichnet. Zeller setzte es in Musik.—
Das in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit seinen Verwandten genial oder, wie man damals sagte, genialisch entstandene Wort:
Geniestreich
hat seine schriftstellerische Weihe durch Goethe im 1814 geschriebenen 3. Teile, im 19. Buche, von "Dichtung und Wahrheit" gefunden, wo er kurz nach der Definition: "Genie ist die Kraft des Menschen, welche durch Handeln und Thun Gesetz und Regel giebt", sagt: "Wenn einer zu Fusse, ohne recht zu wissen warum und wohin, in die Welt lief, so hiess dies eine Geniereise, und wenn einer etwas Verkehrtes ohne Zweck und Nutzen unternahm, ein Geniestreich".